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// FILMREVIEW

Engel mit schmutzigen Flügeln (ofdb)

Originaltitel: Engel mit schmutzigen Flügeln
Land, Jahr: Deutschland, 2009
Regie: Roland Reber
Darsteller: Antje Mönning, Marina Anna Eich, Mira Gittner, Martin Kagerer;
Altersfreigabe: FSK ab 18
Laufzeit (ca.): 91 Min.

 

       
       
       

(c)Pressefotos: wtp international GmbH


Inhalt:
Lucy befindet sich in einer seltsamen Phase ihres Lebens. Sie lässt die eigene Vergangenheit Revue passieren und möchte unbedingt den Sinn ihres bisherigen Handelns erkennen. Treue Ansprechpartner findet sie in Gabrielle und Michaela, die sich selbst für Engel auf Erden halten. Sie rasen auf Motorrädern umher und versprühen geradezu Selbstwertgefühl und Unbeschwertheit.
Lucy möchte unbedingt in deren Freundeskreis aufgenommen werden und überreicht ihre Tagebücher als Zeichen des Vertrauens. Gabrielle und Michaela studieren intensiv die Erlebnisse der neuen Bekanntschaft und schicken die Anwärterin auf einen intensiven Selbstfindungstrip...


Fazit:

Es gibt besondere Filme, die nicht für jeden Zuschauer geeignet sind und "Engel mit schmutzigen Flügeln" lässt sich sicherlich in eine solche Kategorie einteilen. Beim Kinobesuch habe ich gemerkt, wie Zuschauer den Saal verlassen haben - und so die Grundaussage überhaupt nicht verstanden haben.

Auf den ersten Blick mag die verwirrende Handlung, sowie einige äußerst freizügige Passagen auf Abweisung stoßen, doch erhöht dies nur das Interesse für einen wahren Filmfreund. Für die Einen langatmig und gekünstelt, für die Anderen aber durchwegs spannend und vielschichtig erzählt man hier eine interessante Odyssee einer Frau, die endlich zu sich selbst findet. Selten zuvor gab es derart drastische Bilder, die ein Menschenleben so ehrlich und mitreißend zur Schau stellen. Die unzensierten Einblicke erwecken keineswegs den Eindruck einer Schmuddelproduktion, sondern dienen als passendes Stilmittel für den intensiveren Trip in die wahre Welt.

Die Technik gibt sich leider nur solide, passt hierdurch aber hervorragend zum Szenario. Teilweise grob aufgelöste Bilder untermauern den beinahe Doku- artigen Erzählstil auf gelungene Weise und lassen dennoch genügend Details erblicken. Der Regisseur verzichtet auf opulente Kulissen und verwendet raue, authentische Umgebungen - die nur zur Glaubwürdigkeit der ganzen Sache beitragen und nicht nur aus Kostengründen sehr minimalistisch wirken. Ich lobe mir die greifbare Inszenierung, die nicht vom Wesentlichen ablenkt und so die Hauptfiguren in den Vordergrund rücken. Eine Hochglanz- Ästhetik wäre hier absolut Fehl am Platz gewesen und hätte diese Art Produktion gar nicht nötig gehabt.

Besonders hervor zu heben, ist zweifellos die Leistung der drei Hauptdarstellerinnen. Während man dem restlichen Cast etwas stupides Spiel vorwerfen kann, überraschen die Damen nicht nur mit reizvollen Aussichten. Sie spielen einfach Glaubhaft - und das ist manchmal schon alles, was einen guten Streifen ausmacht. Man kauft Ihnen die mehr oder weniger gewagten Aktionen ab und baut trotz mancher Fragwürdigkeit eine Sympathie zu Ihnen auf. Auch wenn die Dialoge anfänglich sehr schwach abgelesen erscheinen, offeriert sich deren Tiefgründigkeit und Vortragung erst mit laufender Spielzeit. Die Sätze sind bewusst simpel gehalten, damit der Betrachter ein gewisses Schema nachvollziehen kann und dennoch sein Gehirn zur gänzlichen Interpretation einbeziehen muss. Hier unterscheidet sich schnell, wer hier mit weitreichenden Gedanken an dieses Werk heran geht, oder wer einfach nur seelenloses Fast-Food-Kino gewöhnt ist und den Kinosaal vorzeitig verlässt.

Ich bin absoluter Filmfreund, habe ein Herz für ungewöhnliche, zum Teil auch gewagte Filmprojekte und konnte trotz anfänglicher Befremdlichkeit prima in diesen Streifen versinken. Wer hier "Pornografie" oder "Schwachsinn" ruft, hat nicht aufmerksam zugeschaut und wollte sich einfach nicht auf dieses Erlebnis einlassen. Wer jedoch Interesse an krass und authentisch gemachten Charakterportraits hat, sollte unbedingt einen Blick wagen - und nicht nur wegen einem übertriebenem Pressewirbel mithetzen wollen.

"Engel mit schmutzigen Flügeln" ist auf den ersten Blick sehr ungewöhnlich, fühlt sich letztlich aber unglaublich "echt" an und weiß gerade hierdurch zu Begeistern. Ich für meinen Teil freue mich schon sehr auf die DVD- Veröffentlichung, die hoffentlich auch mit umfangreichem Bonusmaterial auftrumpfen kann.


Wertung:
8/10

Review-Objekt: Kinovorführung vom 24.04.2010
Testsprache:
Deutsch


Bemerkungen:

Die Kinovorführung am 24.04.2010 in Bad Kreuznach wurde von den beiden Hauptdarstellerinnen Antje Mönning und Marina Anna Eich, sowie dem Regisseur Roland Reber begleitet. Vor dem Film gab es vom Team ein kleines Intro, während sich nach dem Abspann noch Gelegenheit für umfangreiche Diskussionen bot. Ich bedanke mich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich für die erfrischenden Gespräche und hoffe, bald noch die anderen Werke dieser interessanten Personen hier besprechen zu dürfen.

 

 

Trailer:
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Eingetragen von: Silverfox1982
Datum: 25.04.2010

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