{"id":14824,"date":"2023-03-11T15:32:39","date_gmt":"2023-03-11T15:32:39","guid":{"rendered":"https:\/\/hard-boiled-movies.de\/?p=14824"},"modified":"2023-03-11T15:32:39","modified_gmt":"2023-03-11T15:32:39","slug":"kriegerin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hard-boiled-movies.de\/?p=14824","title":{"rendered":"Kriegerin"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Aufgrund aktueller Sichtung wurde dieses Review aus dem Archiv \u00fcbernommen und hier sauber formatiert. M\u00f6glichweise wurden einige Passagen \u00fcberarbeitet und die Wertung nach aktuellen Ma\u00dfst\u00e4ben noch einmal korrigiert.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Inhalt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Irgendwo in Ostdeutschland. Marisa ist 20, arbeitet im kleinen Supermarkt ihrer Mutter und h\u00e4ngt in ihrer Freizeit mit ihren rechten Freunden ab. Sie ist eifers\u00fcchtig als ein neues M\u00e4del in die Gruppe dr\u00e4ngt und w\u00fctend dar\u00fcber, dass Ihr Freund im Knast sitzt. Ihre Aggressionen l\u00e4sst sie an zwei ausl\u00e4ndischen Fl\u00fcchtlingen heraus &#8211; bereut ihre Tat alsbald und denkt verst\u00e4rkt \u00fcber ihr bisheriges Tun nach\u2026<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Auf die Sichtung von &#8220;Kriegerin&#8221; habe ich mich sehr lange gefreut. Die ganzen Vorberichte im TV und Internet haben eine gewaltige Erwartungshaltung aufgebaut, doch leider lief das gute St\u00fcck in keinem Kino der n\u00e4heren Umgebung. Die Thematik bei der eine weibliche Rechtsextreme im Vordergrund steht, ist unverbraucht und dabei authentisch zugleich. Immer dreht es sich um die &#8220;starken&#8221; M\u00e4nner und deren Damen waren nur schn\u00f6des Beiwerk &#8211; doch hier liegt der Focus voll und ganz auf der exzellent gespielten Marisa mit der man sich sogar als Mann halbwegs gut identifizieren konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Geschichte ist so gut geschrieben, wie spannend und vor allem jederzeit unterhaltsam erz\u00e4hlt. Der Betrachter klebt f\u00f6rmlich am Bildschirm und wird voll und ganz vom ausgezeichneten Auftritt von Alina Levshin in den Bann gezogen. Sie agiert so extrem glaubhaft und stielt allen anderen Akteuren die Schau. Obwohl im Grunde alle Rollen gut besetzt und sehr gut verk\u00f6rpert wurden, verdient Levshin das gr\u00f6\u00dfte Lob meinerseits. Das Spiel geht unter die Haut und vor allem kann man die Probleme im Elternhaus, im Job und mit dem Freundeskreis vollkommen nachvollziehen. Man will ihr keinen Vortrag halten und versucht die Hintergr\u00fcnde zu analysieren und lernt sie schnell zu verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl die Story &#8211; wie bereits erw\u00e4hnt &#8211; gut geschrieben ist, kommt sie dennoch nicht ganz ohne kleinere Klischees aus. So ist die Darstellung der rechten Partys ein wenig \u00fcberzogen wild, der alte Anf\u00fchrer der Meute viel zu schleimig und absto\u00dfend pr\u00e4sentiert. Hier hat man nicht den erwarteten Verf\u00fchrer abgelichtet, sondern einfach einen widerlichen Typen &#8211; bei dem man sich schwer die Begeisterung der Jugend f\u00fcr ihn oder seine Themen vorstellen kann. Da war die Figur von Marias Opa wesentlich besser gezeichnet, wenngleich seine Parts etwas zu kurz kamen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gut allerdings die sichtbare Ablehnung von Drogenkonsum innerhalb der Gemeinschaft, die der Zuschauer hoffentlich nicht nur aus Handlungsgr\u00fcnden wahr nimmt. Dieser Faktor wird eigentlich nie besonders heraus gestellt und wird wahrscheinlich auch nie so bewusst von der Gesellschaft wahr genommen. Positive Aspekte in dunklen Bereichen hebt man eben nicht gerne hervor. Perfektes Fingerspitzengef\u00fchl.<\/p>\n\n\n\n<p>Leider wirken die Outfits der Jugendlichen mitunter etwas seltsam &#8211; erwartet man vielleicht doch eher typische Szenekleidung, die in den Kreisen doch sehr beliebt ist und zum festen Bestandteil geh\u00f6rt. Der Gammellook einiger Darsteller wirkt eher etwas laienhaft und unfreiwillig komisch. Man wollte diversen Bands wohl keinen Werberaum verschaffen (deshalb wurde auch die Musik extra f\u00fcr den Film komponiert und nicht von zweifelhaften Musikern &#8220;abgekauft&#8221;), doch ein wenig leidet die Atmosph\u00e4re darunter. Die St\u00fccke waren extrem schwach.<\/p>\n\n\n\n<p>Toll hingegen dann wieder die Detailverliebtheit bei den T\u00e4towierungen unserer Charaktere. Ich w\u00fcrde sagen, dass die Motive mit gro\u00dfer Sorgfalt ausgew\u00e4hlt wurden und man sich auf jeden Fall Gedanken \u00fcber deren Ausdruckskraft und Platzierung gemacht hat. Sie versch\u00e4rfen die provokative Gangart, wirken dennoch fast k\u00fcnstlerisch angebracht. Mag jetzt etwas bizarr klingen, aber irgendwie tragen sie einen wichtigen Part zum Gesamtbild bei.<\/p>\n\n\n\n<p>Abgesehen von kleineren Ungereimtheiten bei der Darstellung mancher Figuren oder Situationen macht Regisseur Wnendt alles richtig und liefert einen ganz starken deutschen Beitrag vom Thema Rechtsextremismus ab. Eine brachial agierende Alina Levshin sorgt f\u00fcr G\u00e4nsehaut und wertet den Streifen immens auf &#8211; macht ihn sogar zum Must-See f\u00fcr alle Interessierten. Hier wird nachvollziehbar und verst\u00e4ndlich argumentiert, keine plumpen Parolen gegen Rechts verbreitet. Dieser Umstand hebt das gute St\u00fcck aus einer &#8211; doch relativ \u00fcberschaubaren Ma\u00dfe heraus &#8211; und beschert uns doch tats\u00e4chlich einen der besten deutschen Filme der letzten Jahre.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-larger-font-size\"><strong>8\/10<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Fotocopyright: Ascot Elite<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Inhalt Irgendwo in Ostdeutschland. Marisa ist 20, arbeitet im kleinen Supermarkt ihrer Mutter und h\u00e4ngt in ihrer Freizeit mit ihren rechten Freunden ab. Sie ist eifers\u00fcchtig als ein neues M\u00e4del in die Gruppe dr\u00e4ngt und w\u00fctend dar\u00fcber, dass Ihr Freund im Knast sitzt. Ihre Aggressionen l\u00e4sst sie an zwei ausl\u00e4ndischen Fl\u00fcchtlingen heraus &#8211; bereut ihre Tat alsbald und denkt verst\u00e4rkt \u00fcber ihr bisheriges Tun nach\u2026 Fazit Auf die Sichtung von &#8220;Kriegerin&#8221; habe ich mich sehr lange gefreut. Die ganzen Vorberichte im TV und Internet haben eine gewaltige Erwartungshaltung aufgebaut, doch leider lief das gute St\u00fcck in keinem Kino der n\u00e4heren Umgebung. Die Thematik bei der eine weibliche Rechtsextreme im Vordergrund steht, ist unverbraucht und dabei authentisch zugleich. Immer dreht es sich um die &#8220;starken&#8221; M\u00e4nner und deren Damen waren nur schn\u00f6des Beiwerk &#8211; doch hier liegt der Focus voll und ganz auf der exzellent gespielten Marisa mit der man sich sogar als Mann halbwegs gut identifizieren konnte. Die Geschichte ist so gut geschrieben, wie spannend und vor allem jederzeit unterhaltsam erz\u00e4hlt. Der Betrachter klebt f\u00f6rmlich am Bildschirm und wird voll und ganz vom ausgezeichneten Auftritt von Alina Levshin in den Bann gezogen. Sie agiert so extrem glaubhaft und stielt allen anderen Akteuren die Schau. Obwohl im Grunde alle Rollen gut besetzt und sehr gut verk\u00f6rpert wurden, verdient Levshin das gr\u00f6\u00dfte Lob meinerseits. Das Spiel geht unter die Haut und vor allem kann man die Probleme im Elternhaus, im Job und mit dem Freundeskreis vollkommen nachvollziehen. Man will ihr keinen Vortrag halten und versucht die Hintergr\u00fcnde zu analysieren und lernt sie schnell zu verstehen. Obwohl die Story &#8211; wie bereits erw\u00e4hnt &#8211; gut geschrieben ist, kommt sie dennoch nicht ganz ohne kleinere Klischees aus. So ist die Darstellung der rechten Partys ein wenig \u00fcberzogen wild, der alte Anf\u00fchrer der Meute viel zu schleimig und absto\u00dfend pr\u00e4sentiert. Hier hat man nicht den erwarteten Verf\u00fchrer abgelichtet, sondern einfach einen widerlichen Typen &#8211; bei dem man sich schwer die Begeisterung der Jugend f\u00fcr ihn oder seine Themen vorstellen kann. Da war die Figur von Marias Opa wesentlich besser gezeichnet, wenngleich seine Parts etwas zu kurz kamen. Gut allerdings die sichtbare Ablehnung von Drogenkonsum innerhalb der Gemeinschaft, die der Zuschauer hoffentlich nicht nur aus Handlungsgr\u00fcnden wahr nimmt. Dieser Faktor wird eigentlich nie besonders heraus gestellt und wird wahrscheinlich auch nie so bewusst von der Gesellschaft wahr genommen. Positive Aspekte in dunklen Bereichen hebt man eben nicht gerne hervor. Perfektes Fingerspitzengef\u00fchl. Leider wirken die Outfits der Jugendlichen mitunter etwas seltsam &#8211; erwartet man vielleicht doch eher typische Szenekleidung, die in den Kreisen doch sehr beliebt ist und zum festen Bestandteil geh\u00f6rt. Der Gammellook einiger Darsteller wirkt eher etwas laienhaft und unfreiwillig komisch. Man wollte diversen Bands wohl keinen Werberaum verschaffen (deshalb wurde auch die Musik extra f\u00fcr den Film komponiert und nicht von zweifelhaften Musikern &#8220;abgekauft&#8221;), doch ein wenig leidet die Atmosph\u00e4re darunter. Die St\u00fccke waren extrem schwach. Toll hingegen dann wieder die Detailverliebtheit bei den T\u00e4towierungen unserer Charaktere. Ich w\u00fcrde sagen, dass die Motive mit gro\u00dfer Sorgfalt ausgew\u00e4hlt wurden und man sich auf jeden Fall Gedanken \u00fcber deren Ausdruckskraft und Platzierung gemacht hat. Sie versch\u00e4rfen die provokative Gangart, wirken dennoch fast k\u00fcnstlerisch angebracht. Mag jetzt etwas bizarr klingen, aber irgendwie tragen sie einen wichtigen Part zum Gesamtbild bei. Abgesehen von kleineren Ungereimtheiten bei der Darstellung mancher Figuren oder Situationen macht Regisseur Wnendt alles richtig und liefert einen ganz starken deutschen Beitrag vom Thema Rechtsextremismus ab. Eine brachial agierende Alina Levshin sorgt f\u00fcr G\u00e4nsehaut und wertet den Streifen immens auf &#8211; macht ihn sogar zum Must-See f\u00fcr alle Interessierten. Hier wird nachvollziehbar und verst\u00e4ndlich argumentiert, keine plumpen Parolen gegen Rechts verbreitet. Dieser Umstand hebt das gute St\u00fcck aus einer &#8211; doch relativ \u00fcberschaubaren Ma\u00dfe heraus &#8211; und beschert uns doch tats\u00e4chlich einen der besten deutschen Filme der letzten Jahre. 8\/10 Fotocopyright: Ascot Elite<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":14828,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[11,15],"class_list":["post-14824","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-filmbesprechungen","tag-besprechung","tag-drama"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hard-boiled-movies.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14824","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hard-boiled-movies.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hard-boiled-movies.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hard-boiled-movies.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hard-boiled-movies.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=14824"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/hard-boiled-movies.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14824\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14834,"href":"https:\/\/hard-boiled-movies.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14824\/revisions\/14834"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hard-boiled-movies.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/14828"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hard-boiled-movies.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=14824"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hard-boiled-movies.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=14824"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hard-boiled-movies.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=14824"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}