{"id":7508,"date":"2021-03-01T18:25:39","date_gmt":"2021-03-01T18:25:39","guid":{"rendered":"http:\/\/wordpress.hard-boiled-movies.de\/?p=7508"},"modified":"2021-03-01T18:25:39","modified_gmt":"2021-03-01T18:25:39","slug":"stalingrad-bis-zum-letzten-mann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hard-boiled-movies.de\/?p=7508","title":{"rendered":"Stalingrad &#8211; Bis zum letzten Mann"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Inhalt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Lange hat der Fronturlaub am Strand nicht gedauert, als die 6. Armee unter neuer F\u00fchrung in den Kessel von Stalingrad abkommandiert wird. Anf\u00e4nglich ist der Trupp noch recht zuversichtlich und glaubt an einen baldigen Sieg, doch schon bald holt sie die traurige Realit\u00e4t in der Schlacht an der Wolga ein\u2026<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Aufgrund von Erfahrungen im Bekanntenkreis habe ich schon oft erw\u00e4hnt, dass deutsche Filme immer eine Sache f\u00fcr sich sind und nicht unbedingt den besten Ruf bzw. den gr\u00f6\u00dften Fankreis haben. Meist bin ich bei hiesigen Werken auch etwas skeptisch, doch im historischen Bereich eigentlich immer sehr zufrieden gewesen &#8211; was seit meinen j\u00fcngeren Jahren insbesondere auch bei &#8220;Stalingrad&#8221; zutraf.<\/p>\n\n\n\n<p>Joseph Vilsmaier schuf hier ein Meisterwerk, welches sich insbesondere von seiner Erz\u00e4hlsicht deutlich von Konkurrenten aus beispielsweise der Traumfabrik von Hollywood unterscheidet. Hier erleben hier keine strahlenden Helden, sondern normale Familienv\u00e4ter, Br\u00fcder, einfache B\u00fcrger von Nebenan. Fast Niemand handelt hier aus vollster \u00dcberzeugung, sondern schlichtweg weil es Pflicht ist und die Hoffnung auf das Ende der Strapazen stets in Aussicht steht.<\/p>\n\n\n\n<p>Unterstrichen wird die starke Betonung auf die menschliche Seiten der Soldaten durch Dialoge, die es wahrlich in sich haben und zum Teil an Sarkasmus und Weisheit nicht zu \u00fcberbieten sind. Viele Charaktere zeigen unter Stress ihr wahres Gesicht und selbst die h\u00e4rtesten Typen offerieren eine zerbrechliche Seite. Man beobachtet den stetigen Zerfall eines optimistischen Lebens und ger\u00e4t an vielen Stellen arg \u00fcber alle Vorkommnisse und Entwicklungen ins Gr\u00fcbeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Das starke Konzept funktioniert nat\u00fcrlich nur, weil die grandiosen Darsteller auf ganzer Linie \u00fcberzeugten und nicht selten rein durch Blicke und Gestiken f\u00fcr G\u00e4nsehaut sorgen. Im Grunde sollte man jeden einzelnen Akteur aufs H\u00f6chste loben, doch ein \u00fcberragender Thomas Kretschmann wuchs hier \u00fcber sich hinaus und konnte bis dato nie mehr so gl\u00e4nzen, wie es hier der Fall war. Noch heute bekannte Gesichter aus der TV-Landschaft lieferten hier beeindruckende Auftritte ab, die man so nie von ihnen erwartet h\u00e4tte. Jede kleinste Rolle wurde sorgf\u00e4ltig besetzt und ebenso \u00fcberw\u00e4ltigend gespielt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Effekte waren beachtlich und machen auch heute noch eine hervorragende Figur. Die Schaupl\u00e4tze wirken weitl\u00e4ufig, kalt und trostlos. Mit relativ einfachen Mitteln wurde eine tolle Atmosph\u00e4re geschaffen, die noch immer sehen lassen kann und noch nicht durch schwache Computereffekte aus der Entstehungszeit durchsetzt wurden. Alles schmeckt nach guter Handarbeit, selbst errichteten Kulissen und tollen Maskenbildnern. Dazu gesellt sich das geschickte Einbinden historischer Reden und einem epischen Soundtrack, der brenzlige Situationen gekonnt mit G\u00e4nsehautstimmung unterstreicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit knapp \u00fcber zwei Stunden ist die Laufzeit nicht von Pappe, aber durch ihre dichte Erz\u00e4hlweise und den interessanten Figuren nie langweilig. Es gab sogar vergleichsweise wenig Action, daf\u00fcr extrem wuchtige Konversationen und nicht minder unterhaltsame Einblicke in das Wesen der Charaktere. Diese Tiefe macht sogar vor dem Finale kein Halt und zerst\u00f6rt seinen nachdenklichen Touch nicht mit aufgesetztem Krawall oder \u00fcberzogenem Pathos. Man verabschiedet sich eher still vom Zuschauer und fuhr damit genau richtig. Auch eingeblendete Texttafeln waren sehr kompakt und besch\u00e4ftigten nicht mit ellenlangem Lesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich kann verstehen, wenn man von deutschen Filmen &#8211; insbesondere wenn es zum das Thema Zweiter Weltkrieg geht &#8211; die Nase voll haben kann, doch dieses Genre ist einfach unsere gro\u00dfe St\u00e4rke. Neben &#8220;Das Boot&#8221; oder &#8220;Der Untergang&#8221; z\u00e4hlt &#8220;Stalingrad&#8221; zu den absoluten Pflichttiteln und sollte eigentlich von Jedermann zumindest einmal gesehen werden. Selten wurde das echte Soldatenleben so pr\u00e4zise und unheroisch portraitiert und selten konnte man sich so intensiv in dramatische Schicksale hineinversetzten. Wie kaum ein anderes Werk, schildert &#8220;Stalingrad&#8221; eine Sinnlosigkeit, ein verbissenes Festhalten und eine Verblendung &#8211; die auch inszenierungstechnisch noch immer unter die Haut geht und den Kopf noch weit nach seiner Sichtung auf Trapp h\u00e4lt. Ein grandioses Kinoerlebnis und definitiv eine der Referenzen beim deutschen und beim internationalen (Anti-)Kriegsfilm \u00fcberhaupt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-larger-font-size\"><strong>9\/10<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Fotocopyright: EuroVideo Medien GmbH<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Inhalt Lange hat der Fronturlaub am Strand nicht gedauert, als die 6. Armee unter neuer F\u00fchrung in den Kessel von Stalingrad abkommandiert wird. 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Fast Niemand handelt hier aus vollster \u00dcberzeugung, sondern schlichtweg weil es Pflicht ist und die Hoffnung auf das Ende der Strapazen stets in Aussicht steht. Unterstrichen wird die starke Betonung auf die menschliche Seiten der Soldaten durch Dialoge, die es wahrlich in sich haben und zum Teil an Sarkasmus und Weisheit nicht zu \u00fcberbieten sind. Viele Charaktere zeigen unter Stress ihr wahres Gesicht und selbst die h\u00e4rtesten Typen offerieren eine zerbrechliche Seite. Man beobachtet den stetigen Zerfall eines optimistischen Lebens und ger\u00e4t an vielen Stellen arg \u00fcber alle Vorkommnisse und Entwicklungen ins Gr\u00fcbeln. Das starke Konzept funktioniert nat\u00fcrlich nur, weil die grandiosen Darsteller auf ganzer Linie \u00fcberzeugten und nicht selten rein durch Blicke und Gestiken f\u00fcr G\u00e4nsehaut sorgen. Im Grunde sollte man jeden einzelnen Akteur aufs H\u00f6chste loben, doch ein \u00fcberragender Thomas Kretschmann wuchs hier \u00fcber sich hinaus und konnte bis dato nie mehr so gl\u00e4nzen, wie es hier der Fall war. Noch heute bekannte Gesichter aus der TV-Landschaft lieferten hier beeindruckende Auftritte ab, die man so nie von ihnen erwartet h\u00e4tte. Jede kleinste Rolle wurde sorgf\u00e4ltig besetzt und ebenso \u00fcberw\u00e4ltigend gespielt. Die Effekte waren beachtlich und machen auch heute noch eine hervorragende Figur. Die Schaupl\u00e4tze wirken weitl\u00e4ufig, kalt und trostlos. Mit relativ einfachen Mitteln wurde eine tolle Atmosph\u00e4re geschaffen, die noch immer sehen lassen kann und noch nicht durch schwache Computereffekte aus der Entstehungszeit durchsetzt wurden. Alles schmeckt nach guter Handarbeit, selbst errichteten Kulissen und tollen Maskenbildnern. Dazu gesellt sich das geschickte Einbinden historischer Reden und einem epischen Soundtrack, der brenzlige Situationen gekonnt mit G\u00e4nsehautstimmung unterstreicht. Mit knapp \u00fcber zwei Stunden ist die Laufzeit nicht von Pappe, aber durch ihre dichte Erz\u00e4hlweise und den interessanten Figuren nie langweilig. Es gab sogar vergleichsweise wenig Action, daf\u00fcr extrem wuchtige Konversationen und nicht minder unterhaltsame Einblicke in das Wesen der Charaktere. Diese Tiefe macht sogar vor dem Finale kein Halt und zerst\u00f6rt seinen nachdenklichen Touch nicht mit aufgesetztem Krawall oder \u00fcberzogenem Pathos. Man verabschiedet sich eher still vom Zuschauer und fuhr damit genau richtig. Auch eingeblendete Texttafeln waren sehr kompakt und besch\u00e4ftigten nicht mit ellenlangem Lesen. 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