{"id":9068,"date":"2021-07-02T17:29:10","date_gmt":"2021-07-02T17:29:10","guid":{"rendered":"http:\/\/wordpress.hard-boiled-movies.de\/?p=9068"},"modified":"2021-07-04T12:48:50","modified_gmt":"2021-07-04T12:48:50","slug":"wunschkonzert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hard-boiled-movies.de\/?p=9068","title":{"rendered":"Wunschkonzert"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Inhalt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Berlin 1936. Bei den olympischen Spielen lernen sich die junge Inge und der Leutnant Herbert kennen und lieben. Leider w\u00e4hrt die gemeinsame Zeit nur wenige Tage, denn Herbert muss zu einer geheimen Mission nach Spanien aufbrechen\u2026<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es hat mich schon ein wenig gewundert, als dieser Titel pl\u00f6tzlich mit einer FSK18 Freigabe beim H\u00e4ndler im Regal aufgetaucht ist &#8211; doch letztlich finde ich gut, dass man sich mittlerweile mit so manch &#8220;Vorbehaltsfilm&#8221; arrangieren und offener mit der heiklen Materie umgehen kann. &#8220;Wunschkonzert&#8221; mag auf der einen Seite sicherlich ein gelungenes Propagandawerkzeug darstellen, wirkt durch seine &#8211; ich m\u00f6chte sagen naive und selbstverliebte &#8211; Machart jedoch absolut entlarvend und durchschaubar.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Handlung ist so simpel, wie zu vernachl\u00e4ssigen. In bester Heimatfilm-Manier gibt es eine Geschichte \u00fcber die gro\u00dfe Liebe, die selbst nach Jahren nicht endet und f\u00fcr die leichte Dramatik sogar noch ein strahlenden Nebenbuhler. Dies l\u00e4dt nicht nur unfreiwillig zu schmunzeln ein, sondern ist Teil des perfiden Gesamtkonzeptes &#8211; welches den im Hintergrund tobenden Krieg bewusst etwas sch\u00f6n redet und fast zur aufregenden Nebensache deklariert.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle Akteure sind stets perfekt gestylt, jederzeit gut gelaunt und haben fortw\u00e4hrend ein Liedchen auf den Lippen. Der Einsatz an der Front gleicht einem Ausflug ins Abenteuerland, denn mit gr\u00f6\u00dferen Blessuren kommt schlie\u00dflich auch Keiner zur\u00fcck. Man erfreut sich an Radiosendungen und lockeren Spr\u00fcchen, zeigt gar nicht erst die wahre Greul oder die eigentlichen Probleme an der Front. Die Stimmung ist gut und selbst in der Heimat macht sich Niemand gr\u00f6\u00dfere Sorgen um die Liebsten &#8211; schlie\u00dflich ist die &#8220;Nebensache&#8221; ja bald vorbei.<\/p>\n\n\n\n<p>Man sp\u00fcrt, dass &#8220;Wunschkonzert&#8221; noch kein &#8220;Durchhaltefilm&#8221; wie &#8220;Kolberg&#8221; und Konsorten ist. Er ist noch wesentlich fr\u00fcher entstanden und pr\u00e4sentiert statt stumpfer Parolen lieber die &#8220;heile Welt&#8221; und ist quasi noch ein Werbe- bzw. Anwerbefilm f\u00fcr die Nationalsozialisten. Er hetzt nicht offen gegen bestimmte Bev\u00f6lkerungsgruppen oder animiert zu Gewalttaten, hebt vielmehr das auff\u00e4llig &#8220;arische Weltbild&#8221; hervor &#8211; auch ohne direkt mit dem Finger darauf zu zeigen bzw. bestimmte Aussagen immer wieder repetitiv wiederholen zu m\u00fcssen. Das Geschehen wirkt gesitteter und weitaus neutraler, als manch seiner  Kollegen aus der damaligen Epoche.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Inszenierung war hochwertig und zog alle Register des M\u00f6glichen. Sicherlich erleben wir kein gro\u00dfes Effektgewitter und bestenfalls bodenst\u00e4ndig gebastelte Kampfszenen, doch meine Beachtung erhalten sch\u00f6ne Schnitte, interessante Perspektiven und sein ordentliches Pacing. Obwohl die Darsteller mit ihrer Ausdrucksweise teilweise stark an das Theater erinnern, so macht der Streifen an sich mit schicken \u00dcberblenden, grandiosen Bildern und toller Ausleuchtung einen perfekten Kinoeindruck, der bei Ver\u00f6ffentlichung auf der gro\u00dfen Leinwand garantiert m\u00e4chtig beeindrucken &#8211; und seine Wirkung nicht verfehlen &#8211; konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich kannte den Film bereits von VHS-Zeiten, weshalb mich die aktuelle Blu-Ray schon ziemlich begeistert. Sicherlich flackert das Bild hin und wieder ein bi\u00dfchen und auch beim Ton gibt es kleinere St\u00f6rungen &#8211; aber f\u00fcr eine Produktion von 1940 m\u00f6chte ich wirklich nicht meckern. Das Ding ist wunderbar anschaubar und kleinere Streifen oder Lautst\u00e4rkenschwankungen sorgen umso mehr f\u00fcr Atmosph\u00e4re und verleihen dem Werk eine Seele. Das Bildformat ist klassisch 4:3.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Einen werden &#8220;Wunschkonzert&#8221; als seichten und unbedeutenden Liebesfilm abtun, die Anderen immerhin einen interessanten Einblick \u00fcber das damalige Weltbild erhalten. Man sollte sich nat\u00fcrlich ein wenig f\u00fcr die Thematik interessieren und ein solches Werk dann auch als Zeitdokument verstehen k\u00f6nnen, um etwas kritischer ans Werk gehen zu k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<p>Trotz seiner klischeehaften und trotz seiner &#8220;gef\u00e4hrlichen&#8221; Passagen ist dieser Titel jedoch einer der besseren seiner Art und unterhielt erstaunlich gut. Handwerklich gab es nichts zu beanstanden und auch die Darsteller haben ihre Sache &#8211; wie es seinerzeit schlie\u00dflich gew\u00fcnscht war &#8211; hervorragend gemacht. Die eingestreuten Liedchen waren vergleichsweise harmlos und passten zur vermeintlich leichtg\u00e4ngigen Romanze. F\u00fcr den geeigneten Filmfreund also durchaus ein interessanter Titel &#8211; der nat\u00fcrlich ein Kind seiner Zeit ist und mit einem Funken an Verstand gesichtet werden sollte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center has-larger-font-size\"><strong>8\/10<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Fotocopyright: WVG Medien GmbH<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Inhalt Berlin 1936. Bei den olympischen Spielen lernen sich die junge Inge und der Leutnant Herbert kennen und lieben. Leider w\u00e4hrt die gemeinsame Zeit nur wenige Tage, denn Herbert muss zu einer geheimen Mission nach Spanien aufbrechen\u2026 Fazit Es hat mich schon ein wenig gewundert, als dieser Titel pl\u00f6tzlich mit einer FSK18 Freigabe beim H\u00e4ndler im Regal aufgetaucht ist &#8211; doch letztlich finde ich gut, dass man sich mittlerweile mit so manch &#8220;Vorbehaltsfilm&#8221; arrangieren und offener mit der heiklen Materie umgehen kann. &#8220;Wunschkonzert&#8221; mag auf der einen Seite sicherlich ein gelungenes Propagandawerkzeug darstellen, wirkt durch seine &#8211; ich m\u00f6chte sagen naive und selbstverliebte &#8211; Machart jedoch absolut entlarvend und durchschaubar. Die Handlung ist so simpel, wie zu vernachl\u00e4ssigen. In bester Heimatfilm-Manier gibt es eine Geschichte \u00fcber die gro\u00dfe Liebe, die selbst nach Jahren nicht endet und f\u00fcr die leichte Dramatik sogar noch ein strahlenden Nebenbuhler. Dies l\u00e4dt nicht nur unfreiwillig zu schmunzeln ein, sondern ist Teil des perfiden Gesamtkonzeptes &#8211; welches den im Hintergrund tobenden Krieg bewusst etwas sch\u00f6n redet und fast zur aufregenden Nebensache deklariert. Alle Akteure sind stets perfekt gestylt, jederzeit gut gelaunt und haben fortw\u00e4hrend ein Liedchen auf den Lippen. Der Einsatz an der Front gleicht einem Ausflug ins Abenteuerland, denn mit gr\u00f6\u00dferen Blessuren kommt schlie\u00dflich auch Keiner zur\u00fcck. Man erfreut sich an Radiosendungen und lockeren Spr\u00fcchen, zeigt gar nicht erst die wahre Greul oder die eigentlichen Probleme an der Front. Die Stimmung ist gut und selbst in der Heimat macht sich Niemand gr\u00f6\u00dfere Sorgen um die Liebsten &#8211; schlie\u00dflich ist die &#8220;Nebensache&#8221; ja bald vorbei. Man sp\u00fcrt, dass &#8220;Wunschkonzert&#8221; noch kein &#8220;Durchhaltefilm&#8221; wie &#8220;Kolberg&#8221; und Konsorten ist. Er ist noch wesentlich fr\u00fcher entstanden und pr\u00e4sentiert statt stumpfer Parolen lieber die &#8220;heile Welt&#8221; und ist quasi noch ein Werbe- bzw. Anwerbefilm f\u00fcr die Nationalsozialisten. Er hetzt nicht offen gegen bestimmte Bev\u00f6lkerungsgruppen oder animiert zu Gewalttaten, hebt vielmehr das auff\u00e4llig &#8220;arische Weltbild&#8221; hervor &#8211; auch ohne direkt mit dem Finger darauf zu zeigen bzw. bestimmte Aussagen immer wieder repetitiv wiederholen zu m\u00fcssen. Das Geschehen wirkt gesitteter und weitaus neutraler, als manch seiner Kollegen aus der damaligen Epoche. Die Inszenierung war hochwertig und zog alle Register des M\u00f6glichen. Sicherlich erleben wir kein gro\u00dfes Effektgewitter und bestenfalls bodenst\u00e4ndig gebastelte Kampfszenen, doch meine Beachtung erhalten sch\u00f6ne Schnitte, interessante Perspektiven und sein ordentliches Pacing. Obwohl die Darsteller mit ihrer Ausdrucksweise teilweise stark an das Theater erinnern, so macht der Streifen an sich mit schicken \u00dcberblenden, grandiosen Bildern und toller Ausleuchtung einen perfekten Kinoeindruck, der bei Ver\u00f6ffentlichung auf der gro\u00dfen Leinwand garantiert m\u00e4chtig beeindrucken &#8211; und seine Wirkung nicht verfehlen &#8211; konnte. Ich kannte den Film bereits von VHS-Zeiten, weshalb mich die aktuelle Blu-Ray schon ziemlich begeistert. Sicherlich flackert das Bild hin und wieder ein bi\u00dfchen und auch beim Ton gibt es kleinere St\u00f6rungen &#8211; aber f\u00fcr eine Produktion von 1940 m\u00f6chte ich wirklich nicht meckern. Das Ding ist wunderbar anschaubar und kleinere Streifen oder Lautst\u00e4rkenschwankungen sorgen umso mehr f\u00fcr Atmosph\u00e4re und verleihen dem Werk eine Seele. Das Bildformat ist klassisch 4:3. Die Einen werden &#8220;Wunschkonzert&#8221; als seichten und unbedeutenden Liebesfilm abtun, die Anderen immerhin einen interessanten Einblick \u00fcber das damalige Weltbild erhalten. Man sollte sich nat\u00fcrlich ein wenig f\u00fcr die Thematik interessieren und ein solches Werk dann auch als Zeitdokument verstehen k\u00f6nnen, um etwas kritischer ans Werk gehen zu k\u00f6nnen. Trotz seiner klischeehaften und trotz seiner &#8220;gef\u00e4hrlichen&#8221; Passagen ist dieser Titel jedoch einer der besseren seiner Art und unterhielt erstaunlich gut. Handwerklich gab es nichts zu beanstanden und auch die Darsteller haben ihre Sache &#8211; wie es seinerzeit schlie\u00dflich gew\u00fcnscht war &#8211; hervorragend gemacht. Die eingestreuten Liedchen waren vergleichsweise harmlos und passten zur vermeintlich leichtg\u00e4ngigen Romanze. F\u00fcr den geeigneten Filmfreund also durchaus ein interessanter Titel &#8211; der nat\u00fcrlich ein Kind seiner Zeit ist und mit einem Funken an Verstand gesichtet werden sollte. 8\/10 Fotocopyright: WVG Medien GmbH<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":9069,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[11,15,102,94],"class_list":["post-9068","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-filmbesprechungen","tag-besprechung","tag-drama","tag-kriegsfilm","tag-liebesfilm"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hard-boiled-movies.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9068","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hard-boiled-movies.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hard-boiled-movies.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hard-boiled-movies.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hard-boiled-movies.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9068"}],"version-history":[{"count":16,"href":"https:\/\/hard-boiled-movies.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9068\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9099,"href":"https:\/\/hard-boiled-movies.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9068\/revisions\/9099"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hard-boiled-movies.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/9069"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hard-boiled-movies.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9068"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hard-boiled-movies.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9068"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hard-boiled-movies.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9068"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}