(Asien-)Filme, Serien, Videospiele, Fotografie

Kategorie: Filmbesprechungen (Seite 1 von 103)

American History X

Aufgrund aktueller Sichtung wurde dieses Review aus dem Archiv übernommen und hier sauber formatiert. Möglichweise wurden einige Passagen überarbeitet und die Wertung nach aktuellen Maßstäben noch einmal korrigiert.

Inhalt

Der 16jährige Danny hat es nicht leicht im Leben. Erst hat er seinen Vater bei der Ausübung seiner Pflicht als Feuerwehrmann verloren und dann ist sein Bruder Derek wegen dem Mord an zwei Schwarzen ins Gefängnis gewandert.

Nun sitzt er bei seinem Schuldirektor im Büro und muss sich verantworten für einen Aufsatz über „Mein Kampf“. Seit er auf eigenen Beinen steht, versucht er Derek nachzueifern und ist ebenso ein Rassist geworden. Der Direktor verlangt einen neuen Aufsatz – diesmal über seinen Bruder, der gerade aus dem Knast entlassen wurde und die Behörden in Alarmbereitschaft vesetzt…

Fazit

Manche Filme verlieren nicht an Brisanz oder Aktualität – und „American History X“ ist da solch ein Sonderfall. Noch immer fasziniert das toll gezeichnete und grandios durch Edward Norton verkörperte Profil des Bösewichtes, der sich zum Guten wandelt und diesen Schritt auch wohl bedacht getätigt hat.

Im Gegensatz zu vielen Konkurrenten setzt der Film nicht Vordergründig auf Gewalt und die Elemente der rechten Szene an sich, sondern hinterleuchtet vielmehr die Motive seiner Figuren auf behutsame Weise. Derek war eigentlich zu keiner Zeit ein Unsympathisch und hatte definitiv seine Argumente für seinen eingeschlagenen Weg, samt seiner späteren Bekehrung – die hier keineswegs aufgesetzt belehrend wirkt. Seine Figur besitzt trotz rabiatem Auftritt viele Facetten, die exzellent dargestellt wurden. Der erst so schwache Sohn, der um seinen Vater trauert und dann das starke Familienoberhaupt samt Anführer einer ganzen Gang. Der Werdegang ist nachvollziehbar und vor allem glaubhaft ausgearbeitet – was den Reiz an dieser Produktion einfach nur erhöht.

Neben dem absolut beeindruckenden Norton muss sich auch kein Nebendarsteller verstecken. Besonders Edward Furlong („Terminator 2“, „Brainscan“) zeigte noch einmal ein Aufflackern seiner Leistung, bevor er wieder in mittelprächtigen Werken fast von der großen Bühne Hollywoods verschwand. Seine geistige Einsicht als Danny kam zwar etwas abrupt, aber immerhin in Ansätzen irgendwo verständlich. Die Macher wollten ihre Geschichte wohl in kompaktem Umfang zu Ende bringen und verkürzten einige Etappen des Ausstiegs bewusst. Geht aufgrund der brillanten Darstellung und den greifbaren Begründungen in Ordnung.

Ein tolle Stilmittel war die Erzählung auf zwei Ebenen. Man springt in teils wirklich schockierenden schwarz/weiß-Szenen immer mal wieder in die Vergangenheit, während die aktuellen Ereignisse in völlig übersättigten und nahezu strahlenden Farben dargestellt wurden. Dies stimmt den Zuschauer immer wieder passend ein, schraubt irgendwo durchaus an seinen Emotionen. Dazu passt der grobe, leicht körnige Look wie die Fast aufs Auge – in einem glatten 4K könnte ich mir den Streifen gar nicht vorstellen.

Dies ist nicht mein erstes Review zu „American History X“ – doch nach der letzten Sichtung am vergangenen Wochenende kam ich zu dem Entschluss, dass ein Update lange überfällig war. Noch immer fesselt das großartige Werk an den Bildschirm (oder mittlerweile auch an die Leinwand) und hat nichts von seinem Gänsehautfaktor verloren. Selten war ein Film so intensiv und selten ließ und ein Film dermaßen heftig mit selbst mit strittigen Figuren mitfiebern. Dieser Unterricht gehört nach all den Jahren definitiv noch immer in jedes gut bestückte Filmregal und die Höchstwertung ist noch immer bedenkenlos drin.

10/10

Fotocopyright: Warner Bros (Universal Pictures)

Der 13te Krieger

Inhalt

Über Umwege schließt sich ein arabischer Botschafter einer Horde von Wikingern an und wird sogleich in ein großes Abendteuer verwickelt. Sie folgen dem Hilferuf eines Dorfes, welches behauptet, dass böse Geister über sie herfielen und die bis dato bekannte Welt dem Ende bald geweiht ist…

Fazit

Es gibt Filme, die sich wie reifer Wein verhalten: sie werden von Jahr zu Jahr – oder besser gesagt: von Sichtung zu Sichtung immer besser. In diese Kategorie fallen bei mir beispielsweise „Tenet“, „Suicide Squad“ und eben auch „Der 13te Krieger“.

Damals auf Videokassette fand ich das Werk schon in Ordnung, später auf DVD richtig gut und danach auf Blu-Ray hat sich der Titel einen festen Status in meinem Herzen erobert. Sicherlich gab es einige Elemente, über die man sich noch immer streiten kann (das schnelle Erlenen der Wikinger-Sprache, die im Sande verlaufende Liebesgeschichte), doch unterm Strich lieferte uns das Duo Crichton/McTiernan großartiges Action-Kino im stimmigen Setting.

Schon nach wenigen Minuten ist man voll im Geschehen drin und wie in einem Tunnel. Man fühlt sich wirklich wie in eine andere Zeit teleportiert und erfreut sich zudem an der reichhaltigen Ausstattung mit tollen Kostümen und glaubwürdigen Kulissen. Schnell fallen hierbei dann auch die tolle Optik, die geniale Kameraführung und die perfekt platzierten Schnitte ins Auge. Selten wurde eine so glaubwürdige Welt geschaffen, selten konnte man so reibungslos darin versinken.

Besonders gut hat mir die Zeichnung der Nordmänner gefallen. Hier werden keine dumpfen Barbaren dargestellt, sondern teilweise nur anhand von kleinen Gesten angedeutet, wie sehr die Männer abseits der Schlachten ticken. Man fühlte die Verbundenheit zueinander, das Bestreben nach dem Guten, Loyalität und die Tapferkeit mit Blick auf den Tod zum Wohl der Gemeinschaft. Dabei erleben wir keinen übertriebenen „Hurra-Pathos“, sondern greifbar geschilderte Verhaltensweisen, die wir als bereits im Geschehen versunkener Zuschauer gerne aufsaugen.

„Der 13te Krieger“ ist nicht nur Action- und toller Historienfilm, sondern auch Thriller und Horror zugleich. Die unheimliche Atmosphäre ist kaum zu umschreiben und selbst bei wiederholter Sichtung greift uns das Unbehagen stets aufs Neue. Wo bei anderen Mitstreitern längst die Luft raus ist, packt uns dieses Epos umso mehr und lässt uns dabei gleich auch neue Details am Rande erblicken. Ein großer Pluspunkt auch für die gelungene „Auflösung“, die den Feind vielleicht etwas entzaubert, aber keineswegs den Schrecken nahm und die Fäden logisch zusammenzog.

Banderas war großartig, doch auch der Rest vom Cast musste sich keineswegs verstecken. Die rauen Typen wurden allesamt hervorragend besetzt und in jeder Lage toll gespielt. Dabei kam selbst der Humor nicht zu kurz und es gab immer mal wieder neckische Sprüche, die keineswegs beleidigt waren und für einen angenehmen Umgangston sorgten.

Mehrfach habe ich von der schwierigen Produktionsphase gelesen. Die Regisseure haben sich zerstritten und mittendrin hingeworfen. Trotzdem fühlt sich das Werk absolut rund und stimmig an – kaum zu denken, wenn die Macher bis zuletzt harmonisch miteinander gewerkelt und möglicherweise noch ein geileres Brett abgeliefert hätten. In seiner aktuellen Form ist „Der 13te Krieger“ jedenfalls schon lange Kult und wird seinen ausgezeichneten Ruf in den nächsten Jahren garantiert nicht verlieren. Für mich der bis dato beste Wikingerfilm, der viele Genres gekonnt miteinander vereint und mit seinem einprägsamen Kampfes-Gebet im Gedächtnis blieb.

9/10

Fotocopyright: Concorde Video

Vesper Chronicles

Inhalt

In naher Zukunft ist das Ökosystem der Erde kollabiert und hat der Menschheit einen zerstörten und mit giftigen Pflanzen verseuchten Planeten zurückgelassen. Inmitten dieser trostlosen Umgebung, kämpft die 13jährige Vesper jeden Tag auf Neue ums Überleben und experimentiert selbst mit der Herstellung brauchbarer Nahrung. Eines Tages wird sie Zeuge, wie ein kleines Raumschiff abstürzt und rettet eine mysteriöse Frau aus dessen Trümmern. Diese behauptet eine Einwohnerin der so genannten, wohl „Zitadellen“ zu sein und Vesper für ihre Hilfe bei der Reise dorthin zurück reichlich zu entlohnen…

Fazit

Gelegentlich schaue ich morgens tatsächlich das Frühstücksfernsehen und gelegentlich verfolge ich mit einem Ohr, die dort vorgestellten neuen Kinofilme. Meist handelt es sich um den üblichen Mainstream von der Stange, doch bei „Vesper Chronicles“ bin ich seinerzeit äußerst hellhörig geworden und war sofort von dem dort präsentierten Szenario angetan.

„Vesper Chronicles“ ist kein „Star Wars“ oder Dergleichen und will es auch überhaupt nicht sein. Der Film zeichnet ein realistisches Portrait der nahen Zukunft und setzt dabei nicht auf unnötige Effekthascherei oder laute Momente. Er zieht ab der ersten Minute in seinen unheilvollen Bann und macht uns schnell mit der jungen Vesper bekannt – die so Etwas wie ein Lichtblick in all der Trostlosigkeit darstellt.

Der Film lebt von seiner einzigartigen Atmosphäre und verlangt im Gegenzug hierfür eine gewisse Aufmerksamkeit beim Betrachter. Die allgemeine Gangart mag eher ruhig, aber keineswegs langweilig sein. Hat man sich auf das Geschehen eingelassen, entwickelt sich ein toller Sog, in dem die kleineren richtig aufregenderen Momenten umso heftiger rüberkommen und ordentlich wach rütteln.

Die audiovisuelle Umsetzung war beeindruckend und erfrischend zugleich. Keine bunten CGI-Orgien, keine grellen Lichter oder hektischen Schnitte. Die darstellte Welt schien fast dokumentarisch und wirkte genau deshalb so greifbar. Dabei fügten sich einige ungewöhnliche Elemente (wie beispielsweise die eindrucksvoll gestalteten „Pflanzenwesen“) nahtlos ins Bild ein und alles war wie aus einem Guss. Nicht verschweigen möchte ich allerdings auch den wunderschönen Soundtrack und die gelungene Tonabmischung. In Anbetracht mangelnder Action glaubt man gar nicht, wie oft der Subwoofer dennoch zum Einsatz kam und durchaus zur Bildung von Gänsehaut beitrug.

Raffiella Chapman verkörperte die Rolle von Vesper mit Bravour und trug den Streifen in weiten Teilen auch wirklich von ganz allein. Man nahm ihr die pfiffige, aufgeweckte und begabte Figur vollends ab, konnte sich gut in ihre Lage hineindenken und natürlich auch stets mit Ihr fühlen. Von Eddie Marsan hätte ich ruhig noch mehr sehen können, aber seine überschaubaren Auftritte waren ebenso toll gespielt und er jagte mit seinen Verhalten selbst dem Zuschauer (und nicht nur seiner kleinen Gegenspielerin) leichte Schauer ein.

Obwohl „Vesper Chronicles“ im Grunde nicht zu anspruchsvoll ist, würde ich den Film eher versierteren Genrefreunden empfehlen – die sich vom Kopf her auf das Setting einlassen können und zum Abtauchen darin bereit sind. Hier gibt es kein Geballer, keine hektischen Abläufe oder schrägen Kostüme, sondern eine gelungene Interpretation einer dystrophische Zukunft ohne unnötigen Schnickschnack. Mir hat der Streifen jedenfalls ziemlich gut gefallen und all meine Erwartungen nach der vielversprechenden Vorschau wurden vollends erfüllt. Eine kleine europäische Perle (Litauen/Frankreich/Belgien), die sich im internationalen Vergleich keineswegs verstecken muss – eher sogar mit ihrem authentischen Auftreten weitaus mehr Eindruck als manch überladene Hollywoodproduktion schinden konnte.

8/10

Dieses Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von PLAION PICTURES zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

Weitere Informationen zu diesen und weiteren Filmen findet Ihr auf der Webseite des Labels: https://plaionpictures.com

Demon Lake

Inhalt

Kevin, Brittney und Tony freuen sich schon sehr auf ihren Wochenendausflug zur Ferienhütte der Familie. Dort angekommen, finden sie jedoch ein Blutbad mit unzähligen Leichen vor. Bevor sie die Lage überhaupt richtig einschätzen können, wird ihnen auch schon eine Waffe ins Gesicht gehalten…

Fazit

In heutigen Tagen noch einen Film im 4:3 Format herauszubringen ist gewagt, aber irgendwie schon wieder richtig cool und irgendwo durchaus stilbewußt. Zwar wird dies bei „Demon Lake“ keine so ausufernden Kontroversen wie einst beim „Justice League“ Cut von Zack Snyder hervorrufen, dennoch dem ein oder anderen Betrachter zunächst leicht erschrecken.

Der Coververgleich mit Werken von Jordan Peele (u. A. „Wir“, „Get Out“) trifft es eigentlich recht gut, den grundsätzlich schlägt der Film in eine ähnliche Kerbe. Zwar werden hier weder bekannte Stars, noch opulente Effekte aufgefahren, doch besonders der blasse und angenehm altmodische Look erzeugt hierbei eine besondere Wirkung, trägt seinen Teil zur allgemeinen Unbehaglichkeit bei. Man fühlt sich sofort an alte Genreklassiker erinnert und saugt die mysteriöse, immer leicht unheimliche Grundstimmung voll auf.

Die Gesichte war weder sonderlich komplex oder tiefgründig – jedoch so schwer greifbar, dass man sie bis zum bitteren Ende überhaupt nicht durchschauen konnte und deshalb gebannt am Ball am blieb. In seinen kompakten 80 Minuten war das Treiben dann aber auch weder zu lang, noch zu kurz und erzählte seine überschaubare Handlung im passenden Rahmen. Klar haperte es hin und wieder bei der allgemeinen Glaubwürdigkeit, doch irgendwie liegt das auch im Kern der Sache: es ist halt ein Mystery-Horror und kein Krimi mit logischeren Strukturen.

Die Darsteller haben ihre Sache gut gemacht. Sie traten authentisch auf und fügten sich somit prima im Gesamtbild ein – immer vor Augen, dass man hier keine Triple-A-Produktion vor sich hatte und seine leicht amateurhafte Aufmachung wohl auch so gewollt war. Das Ganze hatte Charme und machte Laune, gab keinen Grund zur Klage.

Durch seine eigenwillige Machart hat mir „Demon Lake“ gut gefallen und einen kleine Stein im Brett platziert. Für mich hob er sich hierdurch angenehm aus der breiten Masse hervor und kaschierte durchaus kleinere Patzer, die man der Handlung in Sachen Logik und Nachvollziehbarkeit vorwerfen könnte. Wer erwähnte Titel von Peele zu schätzen weiß und nicht mit den allerhöchsten Ansprüchen daher kommt, wird mit diesem Streifen auf jeden Fall vorzüglich bedient.

7/10

Dieses Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von PLAION PICTURES zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

Weitere Informationen zu diesen und weiteren Filmen findet Ihr auf der Webseite des Labels: https://plaionpictures.com

The Triangle (Daisy)

Inhalt

Die Koreanerin Hye-young lebt in Amsterdam und arbeitet im Antiquitätengeschäft ihres Großvaters. An den Wochenenden zeichnet sie zudem Touristen und verdient sich damit noch ein kleines Zubrot. Ab einem gewissen Tag taucht regelmäßig ein Landsmann auf und lässt sich mehrfach portraitieren. Sie kommen ins Gespräch und schnell baut sich eine Vertrautheit und Zuneigung auf. Noch kann er seine wahren Motive nicht verraten…

Fazit

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge schaue ich auf das Werk zurück. Seinerzeit habe ich mir aufgrund von Jun Ji-Hyun direkt die koreanische Importscheibe besorgt und den Streifen dann doch erst gestern Abend (mittlerweile sogar als deutsche DVD) anzuschauen. Als hätte ich es all die Jahre irgendwie geahnt – denn trotz prominenter Besetzung und ungewohntem Schauplatz präsentierte sich leider Mittelmaß auf ganzer Linie.

„Daisy“ (so der Originaltitel) ist weder Fisch und Fleisch und saß fortwährend zwischen den Stühlen. Er funktioniert weder als Romanze, noch als Actionfilm so richtig gut, kam in keiner Rubrik an die übermächtigen Mitstreiter aus dem eigene Lande an. Zunächst suggerierte er eine Art Agentenszenario, doch dafür fehlte es dann wieder an Komplexität oder zumindest der dazu notwendigen Atmosphäre.

Über weite Teile plätschert der Titel dahin, hält nur wegen der gut agierenden Hauptdarstellerin und ein paar hübschen Aufnahmen bei der Stange. Es passiert insgesamt recht wenig auf dem Schirm und dafür sind die knappen zwei Stunden Laufzeit einfach zu lang gewesen, hätten gerne 30 Minuten gestrafft werden dürfen. Ich hatte mir zwar nicht durchgängige Action erhofft (davon gibt es zumindest in den gefühlt letzten drei Minuten ein bisschen), aber einfach mehr Spannung oder eine besser konstruierte Liebesgeschichte gewünscht. Alles riss nicht so wirklich vom Hocker, ließ emotional eher kalt.

Ich weiß nicht, inwiefern die mittelprächtige deutsche Synchronisation ihren Teil dazu beigetragen hat – aber irgendwie hat die Chemie der Aktuare einfach nicht so ideal gepasst. Während die weibliche Hauptdarstellerin zumindest mit ihrem Spiel überzeugen konnte, blieben ihre Partner recht blas, stellenweise gar ein wenig unsympathisch und man konnte sich auch nur schwer in ihre Figuren hineindenken.

Man hatte irgendwie nie das Gefühl, dass die Luft bei deren Aufeinandertreffen brennt (obwohl es ja Story-technisch so sein sollte) und irgendwas dramatisch auf dem Spiel stünde – selbst, wo es bereits um Leben und Tod ging. Mir fehlten die Motive des Antagonisten bzw. eine bessere Begründung für seine Taten. Ließ man sich an anderer Stelle viel zu viel Zeit für unnötige Dinge, musste man diesen essentiellen Themen selbst für sich interpretieren – was im Gesamtkontext nicht leicht fiel.

Allein wegen Jun Ji-Hyun und dem frischen Szenario möchte ich „Daisy“ gerne in mein Herz schließen, doch irgendwie vermag das nicht zu gelingen. Der Film hatte grundsätzlich nette Ansätze, doch blieb in allen Bereichen viel zu harmlos und brillierte Nirgendwo so richtig. Am Ende bleibts ein netter, seichter und durchaus anschaubarer Tripp für Zwischendurch, aber nicht der erhoffte Knaller. Die Koreaner haben in den einzelnen Genres viel mehr zu bieten, als dieses „Crossover“.

6/10

Fotocopyright: Splendid Film/WVG

Identität

Inhalt

Ein schweres Unwetter zwingt mehrere völlig unterschiedliche Charaktere zu einem Aufenthalt in einem zwielichtigen Motel weit Abseits einer nächstgrößeren Stadt. Die Stimmung in der Zwangsgemeinschaft ist verhalten, doch als plötzlich eine Leiche auftaucht wird sie keineswegs entspannter…

Fazit

Filme wie „Identität“ funktionieren am Besten bei Ihrer allerersten Sichtung oder wenn man wirklich alle Details zur Handlung vergessen hat. Bei mir war am gestrigen Abend zwar Letzteres der Fall und dennoch wollte der Funke – oder besser gesagt der Überraschungseffekt bei seiner vermeintlichen Auflösung – am Ende nicht zünden.

So rein von seinem Prinzip, seiner hochwertigen Inszenierung und den erstklassigen Darstellern, war der Streifen eigentlich ziemlich gelungen. Man kam schnell ins Geschehen hinein, hatte zunächst Spaß an den arg unterschiedlich gezeichneten Charakteren. Das Szenario bot Potential und die Aufmerksamkeit war voll geweckt.

Irgendwie haben die Macher jedoch nicht mit gerade diesen aufmerksamen Zuschauern gerechnet – denn die konnten sich schon recht früh die Dinge zusammenreimen und erhielten am Ende keinen „Aha-Effekt“, sondern vielmehr nur eine nüchterne Bestätigung ihrer Theorie präsentiert. Zu früh wurden die Karten auf den Tisch gelegt und viel zu einfach konnte man 1 und 1 zusammenzählen.

Der Verlauf war dabei so lala gestrickt. Es gab kurzweilige Momente, aber auch einige Längen, die bei überschaubaren 90 Minuten natürlich weniger ideal aufgefallen sind. Die zu offenkundig zur Lösung des Rätsels beitragenden Passagen haben es da auch nicht besser gemacht. Immerhin war der Cast (wie bereits erwähnt) in Ordnung und fuhr ein paar bekannte Gesichter auf.

Das Wiedersehen mit Ray Liotta tat gut und irgendwo wurde man auch ganz passabel unterhalten, doch der große Wurf war „Identität“ leider noch nie. Man spielte zu offen mit seiner mysteriös angehauchten Thematik und führte uns trotz kleiner Bluff-Versuche nie aufs Glatteis. Es mag auch seiner kompakten Laufzeit geschuldet sein, aber so richtig gut konstruiert waren die Ereignisse einfach nicht und so richtig viel gab das Treiben nicht her. Unterm Strich also ein eher belangloser Thrill mit schwachem Twist. Anschaubar, aber schnell wieder vergessen (was hier eigentlich zu einer erneuten Sichtung beitragen sollte…).

5,5/10

Fotocopyright: Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

The Sadness

Inhalt

Eine schlimme Seuche greift um sich und lässt die Menschen zu gefühlskalten Killern mutieren. Was wie eine normale Grippe beginnt, schaltet das Hirn aus und weckt die Triebe nach Blut. Inmitten dieses Albtraumes muss sich ein junges Pärchen durchschlagen und findet keine Zeit zum Verschnaufen…

Fazit

„The Sadness“ beginnt sehr gemächlich, um nach wenigen Minuten in einer krassen Orgie aus Blut und Gewalt zu münden. Zwar haben wir es entgegen meiner Erwartungen weniger mit einem waschechten Zombiefilm zu tun – doch aufgrund seiner bizarren Machart und dem Bezug auf leider noch immer aktuelle Themen, sorgte er für leichtes Unbehagen in der Magengrube.

In diesem Film schleifen keine Untoten umher, sondern normale Menschen beginnen plötzlich aufeinander einzustechen und sich dann aufzufressen. Dies wurde aufgrund exquisiter, enorm hochwertiger Bilder eindrucksvoll in Szene gesetzt und vor allem die Effekte brauchen sich nicht vor aktuellen internationalen Standards zu verstecken. Die Masken waren perfekt, die „Zerstückelungs-Animationen“ mustergültig in Szene gesetzt. Klare Bilder und zeitgemäße Kameraeinstellungen und Schnitte unterstützen dies.

Technisch liefern die Taiwaner so richtig ab und schufen eine perfekte Immersion. Das Geschehen fühlte sich „weitläufig“ und nicht auf kleine Abschnitte beschränkt an. Man vernahm, dass der Horror um sich greift und eine sichere Zuflucht schier unmöglich erschien. Die Panik der Figuren wurde schmerzlich greifbar und das „wie würde ich mich verhalten“-Denken griff um sich. Die Atmosphäre war super und weit über den üblichen Zombiestreifen von der Stange – wie wir sie immer mal wieder bekommen.

So grandios die Aufmachung, so bodenständig die kaum vorhandene Story und so ernüchternd der Abschluss. Schaut man ein wenig hinter die derbe Fassade, bot der Film tatsächlich kaum eine Handlung und erzählt diese vor allem nicht konsequent zu Ende. Ich möchte nicht viel spoilern, doch leicht verdrossen flackerte letztlich der Abspann vor mir her und irgendwie habe ich mir mehr gewünscht. Nicht unbedingt mehr an eigentlicher Laufzeit, aber mehr Befriedigung durch zumindest einen coolen Twist, der gerne auf eine mögliche Fortsetzung besser angeteasert hätte.

Auch wenn wir es hier nicht um einen klassischen Horrorfilm handelt und seine deftigen Einlagen (zum Glück) auch nicht alle Tabus brechen, sei das Werk den Genrefreunden wärmstens an Herz gelegt. Die Taiwaner bewiesen, dass sie in Sachen Gekröse und Optik problemlos mit anderen Playern mithalten können und übertünchen mit ihren hochwertigen Bilder einen ausbaufähigen Plot. Unterm Strich also eine Empfehlung wert, auch wenn es aufgrund des Themas und der Härte nicht für Jeden einen Blick wert sein dürfte.


Die deutsche Blu-Ray ist ungeschnitten und präsentiert uns den Streifen nicht nur in einer unglaublich guten Bildqualität (in 4K mit HDR sicherlich noch einmal einen Ticken besser), sondern auch einer ziemlich tollen Synchronisation, die den ebenfalls vorhandenen O-Ton gar nicht unbedingt nötig macht.


7,5/10

Fotocopyright: Capelight (Alive)

Blood – The last Vampire

Aufgrund aktueller Sichtung wurde dieses Review aus dem Archiv übernommen und hier sauber formatiert. Möglichweise wurden einige Passagen überarbeitet und die Wertung nach aktuellen Maßstäben noch einmal korrigiert.

Inhalt

Saya ist halb Mensch, halb Vampir und untersucht im Auftrag der US Regierung besondere Fälle, die mit den so genannten „Bloodsuckers“ im Zusammenhang stehen. Ihre aktuelle Mission führt sie getarnt als Schülerin auf einen amerikanischen Militärstützpunkt mitten in Japan und damit auch in gefährliche Nähe zu einer alten Erzbösewichten, die schon lange auf der Fahndungsliste steht…

Fazit

Tierisch habe ich mich auf die (technisch übrigens vorzügliche) Blu-Ray der Realfilm-Adaption von „Blood – The Last Vampire“ gefreut. Die Vorlage hat mir immerhin sehr gut gefallen und schließlich ist die Hauptrolle mit meiner Lieblingsdarstellerin Jeon Ji-hyeon sehr gefällig besetzt. Der Trailer hat mir schon sehr gut gefallen – auch wenn mich die mittelprächtige Bewertung in der imdb etwas enttäuscht hat. Doch ich schreibe hier wirklich unabhängig, aus eigenen Stücken und bekomme auch kein Geld dafür – und gehe unvoreingenommen an die Sache heran.

Die Handlung hält sich weitestgehend an die Comicvorlage und weicht zumindest in den Anfängen auch nicht wirklich davon ab. Um die Geschehnisse noch etwas auf richtige Spielfilmlänge zu strecken, wurden noch ein paar kleine Nebenplots eingebaut, die sich nahtlos integrieren. Die neuen Stränge wirken nicht aufgesetzt und ergeben eine runde Gesamtgeschichte, die hervorragend erzählt wurde und die kompakte Laufzeit nicht überfrachtet haben.

Die Bilder sind technisch äußerst ansprechend und vor allem die Choreografen verstanden ihr Werk. Ich weiß nicht mehr, wann ich zuletzt so tolle Schwertkämpfe gesehen habe. Sie wurden nicht nur sauber umgesetzt, sondern auch mit der nötigen Konsequenz abgeschlossen. Das Blut fließt in Strömen und mit derberen Körperteilabtrennungen wurde nicht gespart. Sicherlich erkennt man deutlich die CGI- Herkunft vieler Effekte, doch macht grade dies einen gewissen Stil aus. Die Fontänen schauen klasse aus und fallen nicht so krass aus dem Rahmen wie beispielsweise bei Battle Royale. Die Machart passt genau zum kühlen Gesamtstil der restlichen Aufnahmen, die ich extrem anschaubar finde.

Überhaupt hält sich die Optik an die Vorlage und viele Hintergründe waren gar nicht mehr so recht von einem Comic bzw. Anime zu unterscheiden. Die Figuren wirkten manchmal in die Umgebungen „hineingerendert“, was einen ganz besonderen Look ausmachte und der Härte natürlich auch Ernsthaftigkeit entzog – was dem Treiben insgesamt gut tat. Man gab sich nicht seriöser, als es Handlung und Drumherum überhaupt hergeben konnten, verleugnete auch nicht seine gezeichneten Wurzeln.

Aller eher überwiegend negativer Kritik zum Trotz, hat mir „Blood – The last Vampire“ wirklich gut gefallen. Das Teil war nie langweilig, ging es stets mit hohem Tempo voran und hat zudem mit ein paar prachtvollen Aufnahmen das Auge verwöhnt. Die Optik war erstklassig, die arg künstlichen Effekte haben hervorragend ins Gesamtbild gepasst und überhaupt nicht gestört. Wer auf stylisch präsentierte Fantasykost steht, sollte ruhig einen Blick riskieren. Im Gegensatz zum ursprünglichen Review ziehe ich zwar mittlerweile einen halben Wertungspunkt ab, trotzdem ist das Ding noch immer eine unterhaltsame Angelegenheit.

8/10

Fotocopyright: Constantin Film (Universal Pictures)

The Witness

Inhalt

Nach einem feuchtfröhlichen Abend mit seinen Kollegen, macht es sich Sang-Hoon auf dem Sofa seiner neuen Wohnung gemütlich. Schreie reißen ihn jedoch aus dem Halbschlaf und an seinem Fenster wird er Zeuge eines kaltblütigen Mordes. Am nächsten Tag beginnt die Polizei mit ihren Ermittlungen und befragt die Anwohner, doch unser Zeuge schweigt beharrlich und fürchtet um das Leben seiner Familie…

Fazit

Das berümte „Fenster zum Hof“ musste schon des Öfteren eine Inspirationsquelle für Filmemacher herhalten und nun haben sich auch die Koreaner an dessen noch immer recht interessanten Grundprinzip bedient und eine nicht minder spannende Neuinterpretation abgeliefert.

Zu Begin fiel natürlich direkt der hochwertige „Korea-Look“ ins Auge, der uns den Einstieg extrem einfach gestaltete und richtig Bock auf das Werk entfachen ließ. Der Zuschauer war sofort bei der Sache und tauchte problemlos im Geschehen ab – welches mit seiner ersten Hatz auch sogleich recht spannend begann und alle Aufmerksamkeit auf sich zog.

Wie unser Hauptdarsteller zum Zeuge des Mordes wurde, wurde anschaulich und prima nachvollziehbar in Szene gesetzt, ebenso sein weiteres Verhalten, auch den Behörden gegenüber. Man konnte sich gut in die Figur hineindenken und seine Entscheidungen verstehen – auch wenn man sie nicht immer gutheißen konnte.

Der Fokus des Werkes lag also weniger auf der Identifikation des skrupellosen Täters, sondern vielmehr auf dem zuweilen äußerst unvorhersehbaren Agieren seines nächtlichen Beobachters. Der Plot ist kein übliches Katz- und Mausspiel, vielmehr geht es schon in Richtung einer Gesellschaftsstudie und deren moralischen Entscheidungen.

Wie weit darf man gehen, um seine eigene Familie zu schützen – und sollte man dabei weitere Attentate in Kauf nehmen? Dies wird vorbildlich und schmerzhaft nachvollziehbar von unseren ausgezeichnet agierenden Darstellern zum Besten gegeben und trägt ungemein zur dauerhaft unbehaglichen Atmosphäre bei – die in meinen Augen den größten Pluspunkt an diesem Film darstellt.

Obwohl es hin und wieder kleinere Längen gab, blieb man am Ball. Zwar konnte man sich ab einem gewissen Punkt den möglichen Ausgang erahnen, trotzdem wollte man sich weiterhin mit den Figuren beschäftigen und hoffte auf weitere Wendungen, von denen es schließlich ein paar ganz ausgezeichnete gab.

Zuletzt habe ich beim Review zu „Hard Hit“ angeführt, dass dieser das berühmte Rad nicht neu erfinde – und so ist es in Grundzügen auch bei diesem Thriller der Fall. Bis auf den groben Rahmen zeigt „The Witness“ aber genügend Eigeninitiative und verlagert inhaltliche Schwerpunkte so geschickt, dass ein vollkommen für sich stehender Film entstanden ist und dessen Ideen weitestgehend gefielen. Genrefreunde werden trotz kleiner Durchhänger sicherlich ihren Spaß an dem Treiben haben und so gebe ich gerne eine Empfehlung ab.

7,5/10

Fotocopyright: Busch Media Group

Mulan (2020)

Inhalt

Das Kaiserreich wird von einer fremden Macht bedroht und die Regierung versetzt das Land in Alarmbereitschaft. Aus jedem Haus soll ein Kämpfer für ein neues Heer rekrutiert werden und leider trifft das auch auf die Familie von Mulan zu. Da sie ihrem alten Vater den gefährlichen Einsatz jedoch nicht zutraut, schnappt sie sich Schwert und Kleidung, macht sich als Mann getarnt auf den Weg zur Armee…

Fazit

Der Mythos um „Mulan“ wurde bereits mehrfach, sogar bereits von Disney selbst in Zeichentrickform umgesetzt und jede Variante zeigte ihre individuellen Stärken und Schwächen. Während die Einen eine eher realistische Herangehensweise in Betracht zogen, setzte Hollywood anno 2020 in erster Linie auf eine opulente audiovisuelle Umsetzung – für die das 4K-Format geradezu prädestiniert erschien.

Der aktuelle „Mulan“-Streifen lebt also weniger von einer tiefgreifenden oder gar wendungsreichen Geschichte, serviert uns vielmehr einen optischen Hochgenuss in Reinform. Das Auge kann sich kaum an aufwändigen Kostümen, atemberaubenden Kulissen und krachend inszenierten Schlachten satt sehen. Man spürt einen hohen Aufwand und gehobenes Budget zu jeder Sekunde und vergisst dabei gerne, wie Austauschbar und Unoriginell die Handlung im Grunde eigentlich war.

Die Geschichte war so simpel, wie vorhersehbar und schon dutzende Male in ähnlicher Form zu sehen gewesen. Doch nicht nur die hübsche Inszenierung, auch die liebenswerten Darsteller kaschierten dieses Manko mit Bravour. Vor allem unsere Hauptfigur wurde mit der hübschen Liu Yifei perfekt besetzt und einen Jet Li, Donnie Yen oder Jason Scott Lee wieder zu sehen, tat als Asienfilmfan richtig gut. Gong Li als Magierin war ebenfalls ein echter Hingucker.

Der Filmverlauf war überwiegend kurzweilig gestaltet und platzierte seine regelmäßigen Schlachten mit Bedacht. Man achtete darauf, dass sich ruhigere und aufregendere Momente gut die Waage hielten – und natürlich auch darauf, dass die Kämpfe nicht zu blutig für das jüngere Publikum ausfielen. Auch ohne großes Blutvergießen kamen diese aufgrund ihrer sagenhaften, tänzerischen Choreografie aber super aus und ließen nichts missen.

Auf der einen Seite ist „Mulan“ ein echter Hingucker, der mit geballter Macht seine Schwächen kaschiert, auf der anderen Seite aber auch wie ein großes Wiedersehen mit alten Freunden. Tatsächlich hat mir der geniale Cast fast schon mehr Freude als die prachtvolle Inszenierung gemacht, unterm Stich dürfte – grade für das angepeilte Publikum – aber eher Ersteres im Vordergrund stehen. So unterm Strich liefert uns Disney einen knallbunten, familiengerechten Historenfilm, der im Grunde alles richtig macht und zu überzeugen wusste. Für mich fehlt zwar am Ende der gewisse Kick zu einer höheren Wertung, doch die investierte Zeit habe ich keineswegs bereut.

7,5/10

Fotocopyright: Disney

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