Inhalt
Auf den ersten Blick sind Bill und Alice ein echtes Traumpaar, dem es an nichts mangelt. Sie sind hübsch, haben eine liebenswerte Tochter, besitzen eine luxuriöse Wohnung im Herzen New Yorks und zumindest bei ihm ist das Einkommen als Arzt gesichert. Hinter der Fassade bröckelt es jedoch gewaltig und als Alice ihrem Gatten ein paar heiße Details aus ihren Träumen verrat, flieht dieser auf die Straße und sucht die Abenteuer der Nacht…
Fazit
„Eyes Wide Shut“ fügte sich bereits bei seinem damaligen Release wunderbar in die Riege der speziellen Werke von Kubrik ein und hat auch heute nichts von seiner polarisierenden Wirkung verloren. Ich kann mich noch gut an den einstigen Werkerummel erinnern – und wie ratlos ich damals den Kinosaal vor knapp 25 Jahren auch wieder verlassen habe.
Der Meister greift Motive klassischer Geschichten (u.A. „Die Traumnovelle“) auf, versetzt sie allerdings in die heutige Zeit und passt sie aktuellen Gegebenheiten an. Herausgekommen ist dabei ein leicht verworrener Film, der stets eine gewisse Grundspannung aufrecht erhalten konnte, gelegentlich allerdings auch ein paar Längen zu verzeichnen hatte.
Einige Dialoge waren zu ausufernd, während andere genau das richtige Maß gefunden haben. Manchmal schoss der Meister über das Ziel heraus, manchmal traf er genau den richtigen Nerv. Stellenweise klebt man an den Lippen der durchwegs hervorragend agierenden Darsteller, manchmal verrollt man gelangweilt die Augen. Vielleicht war dies auch so gewollt, vielleicht eine weniger gelungene Einschätzung der Dinge.
Es war schade, dass besagte Konversationen immer mal wieder aus der Immersion warfen – denn der Film besaß streckenweise eine extrem hypnotische Wirkung, wofür auch der gelungene Soundtrack seinen Teil beigetragen hat. Er vermittelte mit ruhigeren Klängen eine gewisse Harmonie, verursachte mit treibende Einlagen für eine seltsame Anspannung sorgten, die zuweilen prekäre Lage unserer Hauptfigur spürbar unterstrichen.
Das einstige Traumpaar Kidman und Cruise haben hier eindrucksvoll abgeliefert, auch wenn in meinen Augen etwas zu viel Wirbel um deren Auftritt gemacht wurde. Sie standen sich schon ebenbürtig gegenüber und gewährten freizügige Einblicke, doch es blieb alles im Rahmen und wäre keinen Skandales würdig gewesen (den es ja in übermäßiger Form auch nicht gab). Großartig allerdings auch sämtliche Nebendarsteller von Pollock bis DeMount.
Meisterwerk oder langweiliger Quatsch ohne echte Aussage? Die Wahrheit liegt wie üblich wohl irgendwo dazwischen und ich bin mir bei diesem Titel einfach nicht einig. Eine großartige audiovisuelle Inszenierung und brillante Darsteller stehen einer seltsamen Handlung mit einigen Durchhängern entgegen und am Ende bleiben viele Fragezeichen. Sicherlich bot das Gezeigte ordentlich Raum für eigene Interpretation, aber Kubrik hätte hier schon mehr an die Hand geben müssen. Unterm Strich ein bedingt empfehlenswertes Epos, welches ich trotzdem irgendwie gerne in der Sammlung habe.
p.s. im Gegensatz zur Kinovorführung und der Erstveröffentlichung auf DVD enthielt die zuletzt geschaute Blu-Ray in den Film in einem herangezoomten Bildformat, welches nun zwar den kompletten Bildschirm füllt, dafür aber Details im oberen und unteren Bereich abgeschnitten hat. Da die Optik sowieso „verwaschen“ und „körnig“ daherkommt, empfehle ich den Griff zur DVD mit korrektem Bildausschnitt.
7/10
Fotocopyright: Warner
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