Babycall
Aufgrund aktueller Sichtung wurde dieses Review aus dem Archiv übernommen und hier sauber formatiert. Möglichweise wurden einige Passagen überarbeitet und die Wertung nach aktuellen Maßstäben noch einmal korrigiert.
Inhalt
Endlich von ihrem gewalttätigen Ehemann gelöst, zieht Anna mit ihrem kleinen Sohn in eine neue Wohnung in einem großen Plattenbau in Oslo.
Das Jugendamt unterstützt die beiden bei ihrem Neuanfang, glaubt jedoch nicht alle Details aus Annas Schilderungen über die schlimme Vergangenheit der Familie. Anna wirkt überängstlich, eingeschüchtert und ist in dieser belastenden Situation kaum in der Lage, sich um sich selbst zu kümmern.
Ihre Sorge geht sogar so weit, dass sie für ihren immerhin acht Jahre alten Sohn ein Babyfon anschafft, um ihn nachts zu überwachen. Doch statt beruhigender Gewissheit empfängt sie darüber verstörende Geräusche. Offenbar überlagern sich Frequenzen, und Anna hört Töne, die vermutlich aus der näheren Nachbarschaft stammen. Alles deutet auf eine schwere Misshandlung hin – doch woher genau die Signale kommen, kann sie nicht feststellen.
Fazit
Ein kurzer Blick auf die Wertung verrät bereits, dass ich von „Babycall“ eher enttäuscht war. Die interessante Ausgangsidee, der ansprechende Schauplatz und nicht zuletzt die großartige Noomi Rapace ließen deutlich mehr erwarten – letztlich bekommt man jedoch nur Mittelmaß geboten.
Die ersten Minuten verlaufen zwar recht gemächlich, ermöglichen aber immerhin einen ruhigen Einstieg und eine gute Einführung in die wenigen Charaktere. Danach gewinnt der Film jedoch kaum an Tempo und verharrt in seiner eher trägen Erzählweise.
Zwar gibt es immer wieder gelungene Spannungsmomente, die durch die düsteren, tristen Bilder und das kühle Setting gut zur Geltung kommen, doch davon hätte es deutlich mehr gebraucht. Immer wieder schleichen sich Längen ein, sodass es schwerfällt, die volle Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten. Man ertappt sich dabei, abzuschweifen und auf einen neuen Spannungsanstieg zu hoffen.
Noomi Rapace überzeugt hingegen auf ganzer Linie und trägt den Film über weite Strecken nahezu allein. Ihre Darstellung ist intensiv und glaubwürdig, ihre Gestik passt hervorragend zu den gezeigten Situationen – hier gibt es nichts zu bemängeln. Nach ihren Auftritten in größeren Produktionen wie „Prometheus – Dunkle Zeichen“ oder der „Millennium“-Trilogie tut es gut, sie wieder in einer kleineren Produktion zu sehen.
Die Ansätze sind vielversprechend, doch das Ergebnis wirkt trotz der starken Besetzung zu wirr und stellenweise zu belanglos. „Babycall“ schafft es nicht, den Zuschauer wirklich zu packen, hinterlässt nur kurzfristig Fragen und bleibt nicht nachhaltig im Gedächtnis.
Ich schätze Filme, die mit Erwartungen spielen und den Zuschauer bewusst in die Irre führen – und ich schätze auch Noomi Rapace sehr. Doch hier konnte mich der Film nicht überzeugen. Für einen einmaligen Blick ist er durchaus geeignet, eine klare Kaufempfehlung kann ich jedoch nicht aussprechen.
6/10
Fotocopyright: EuroVideo Medien GmbH


