Das TECLAST ArtPad Pro im Kurzcheck
Einleitende Worte
Mein 12,9″ iPad Pro der zweiten Generation ist in die Jahre gekommen und so war ich auf der Suche nach einer Alternative. Das neue Gerät sollte neben einem frischen Akku eine ähnliche Größe, einen Schacht für SIM-Karten und vor allem einen Stift zum Zeichnen besitzen. Das ArtPad Pro von TECLAST schien auf den ersten Blick eine gute und vor allem vergleichsweise preiswerte Alternative zu sein – welche ich hier mal etwas vorstellen möchte.
Auf ausführliche technische Daten und Benchmarks möchte ich hier gezielt verzichten, einfach ein paar Eindrücke aus dem Alltag schildern.
Erworben habe ich die Variante mit Eingabestift und Case.


Technische Daten (Herstellerangaben)
| Kategorie | Spezifikation |
|---|
| Display | 12,7″ IPS, 2176 × 1600 |
| Prozessor | MediaTek Helio G99 |
| RAM / Speicher | 8 GB / 256 GB |
| Akku | 10.000 mAh |
| Betriebssystem | Android 15 |
| Kamera | 13 MP (hinten), 8 MP (vorne) |
| Besonderheit | Stylus-Unterstützung |
Das Display
Das Display des ArtPad Pro ist mit rund 12,7″ ähnlich groß wie das von meinen alten iPad, jedoch kommt das Gehäuse dank schmalerer Ränder etwas kompakter und auf jeden Fall moderner daher. Es besitzt eine Auflösung von 2176 x 1600 Pixel Bildpunkten im 7:5 Format, was mir besonders beim Lesen von Dokumenten/Magazinen und Comics wichtig war.

Leider spiegelt der Schirm recht stark, woran auch die leider nur überdurchschnittliche Helligkeit nur wenig entgegen wirken kann. Auch ist das Bild etwas Abhängig vom Blickwinkel, was das gemeinsame Schauen auf dem Schirm mit besonders ausgewaschenen Farben quittiert. Überhaupt ist das Display nicht so knallig wie bei der höherpreisigen Konkurrenz.

Gut hingegen ein Modus, der es erlaubt zwischen verschiedenen Farbmodi (Normal, Pastell, Ink) hin und her zu schalten. So lassen sich Comic auch mal ganz entspannt in Schwarz-Weiß lesen (was mit der passenden Software allerdings auch unabhängig von dieser Hardware möglich ist).


Performance & Entertainment
Die Leistung des Helio G99 und den 20 GB Arbeitsspeicher (8 GB Fest + 12 GB Erweiterung) ist ausreichend für tägliche Aufgaben wie das Surfen im Internet, dem Anschauen von Filmen oder dem Zocken kleiner Games – echte Wunder sollte man aber nicht erwarten. Grade beim Scrollen auf aufwendigeren Webseiten kommt es hier und da mal zu keinen Hängern, das System fühlt sich auch in der normalen Oberfläche manchmal träge an. Für mich etwas vergleichbar mit dem älteren Samsung S6 Lite, welches meine Mutter verwendet. Es hakt selten, aber irgendwie fühlt sich das Navigieren weniger schnell an. TECLAST hat übrigens eine angepasste Android-Oberfläche auf das Gerät gezaubert, welche aber weitestgehend im Standard blieb.

Zeichnen ist jedoch kein Problem (hier hakt absolut nichts) und auch Titel wie “Balatro” können problemlos gespielt werden. Minecraft lief auf den ersten Blick auch okay, aber nicht so flüssig/schnell wie beispielsweise auf meinem kleinen Razer Edge Tablet. Primär werde ich auf dem Teil aber auch nicht spielen, denn unterwegs ist meist meine Switch dabei – und deshalb werde ich hier nicht auf weitere Games eingehen.
Die vier verbauten Lautsprecher liefern einen ordentlichen Klang und sind auch recht laut. Das Gerät hat eine Widevine L1 Zertifizerung für Streaming-Inhalte, kann aber auch problemlos lokal gespeicherte Videodateien in Full-HD (x264 und x265) abspielen. Höhere Formate habe ich nicht getestet.

Die Kameras liefern unterdurchschnittliche Bilder ab, sind kaum zu gebrauchen. Für einen einfachen Videocall wird’s reichen, für ernsthafte Fotografie sind Auflösung und Farben zu schwach – da hilft auch keine Bearbeitungssoftware.


Kreativ sein
TECLAST hat das Tablet nicht umsonst ArtPad getauft, würde es sich dank des optional erhältlichen bzw. in Bundles auch mitgelieferten Stiftes nicht auch um ein kreatives Arbeitsgerät handeln. Die Idee diesbezüglich war ja auch gut, trotzdem vermisse ich grade hierdurch eine vorinstallierte App zum Zeichnen schmerzlich. Nach dem Start begrüßt und zwar eine kleine Notizverwaltung, aber ein richtiges Kreativprogramm ala ProCreate oder Sketchbook suchte man vergeblich.

Also schnell Sketchbook installiert und losgelegt. Der Stift reagiert gut auf Eingaben, ermöglicht eine ordentliche Linienführung und vermittelt ein solides Schreibgefühl. Alles nicht ganz auf dem Niveau eines iPad oder eines Samsung S8 Ultras, aber in dieser Preisklasse ziemlich zufriedenstellend. Zwar ist eine Handflächenerkennung aktiv, trotzdem fabriziert der Stift gelegentlich seltsame und vor allem ungewollte Punkte oder Striche auf dem Schirm. Wie eine Art von Geistereingabe – die man hoffentlich rechtzeitig bemerkt und rückgängig machen kann. Auch sitzt der Strich nicht so präzise wie bei manchen Mitbewerber, doch nach kurzer Zeit hat das Hirn diesen kleinen Verzug berücksichtigt.


Ansonsten…
Ansonsten liegt das Tablet gut in der Hand. Das Gewicht ist etwas hoch, aber klassenüblich. Die Verarbeitung ist einwandfrei und abgerundete Kanten schützen vor Verletzung. Der Kartenschacht ist problemlos zugängig, die Erweiterbarkeit mittels SD-Karten und/oder die Verwendung von SIM-Karten echte Plusargumente. Der Akku hielt bisher gut durch, bedarf aber natürlich längerer Tests. Im gemischten Betrieb (Surfen in Netz, Videos online und offline schauen, lesen) kam ich bisher auf rund 10 Stunden – was ein wirklich solider Wert für diese Bildschirmgröße ist. Geladen war das Teil (sowohl am Strom, als auch an der Powerbank) in nur rund 2 Stunden.


Positiv
- grundsätzlich ordentliches Display mit guter Auflösung und angenehmen Format
- Umschaltung verschiedener Bildmodi
- weitestgehend cleanes Android
- saubere Verarbeitungsqualität
- brauchbare Lautsprecher
- bisher ordentliche Akkulaufzeit (~10 Stunden)
- schnelle Aufladung (~2 Stunden)
- solide Ausstattung (256GB Speicher, Speichererweiterung, SIM-Karte)
- passabler Stift
- gutes Preis-/Leistungsverhältnis
Neutral
- Performance durchschnittlich
- Display könnte heller und blickwinkelstabiler sein
- nur 60Hz (angeblich sei ein Update für 90Hz in Arbeit)
- etwas hohes Gewicht (aber im Rahmen bei dieser Größe)
- schwache Kameras
Negativ
- keine Zeichen-App vorinstalliert
- hin und wieder Fehleingaben beim Zeichnen (wilde Punkte/Striche auf dem Schirm)
- nervige helle LED-Ladeanzeige
- Case hat keine Magneten/Deckel hält nicht gut am Tablet

Vorläufiges Fazit
In den letzten Tagen ist das Tablet zu meinem treuen Begleiter geworden und mein vorläufiges Fazit fällt trotz einiger Kritikpunkte recht positiv aus. Auch wenn das Display etwas heller sein könnte und weniger spiegeln dürfte (hierfür gibt es aber Folien), gefällt das lesefreundliche Format und die weitestgehend saubere Stifteingabe beim kreativen Betätigen. Das Lesen vom Comics macht deutlich mehr Spaß als auf einem kleinen Schirm und der optionale INK-Modus ist hier absolut empfehlenswert – auch wenn dies grundsätzlich per Software auch auf anderen Geräten möglich ist.
Profis werden bessere Zeichenhardware benötigen, für den abendlichen Heimgebrauch reicht das Gebotene aber dicke aus. Hier stört dann auch der Schminkspiegel weniger und das etwas hohe Gewicht verlagert man auf den Tisch oder die Bettdecke. Mit der passenden Software (z.B. Sktechbook) kann man sich dann ungehindert austoben, vor allem wenn der Vergleich zum spürbar besseren aber eben auch deutlich teureren iPad mitsamt seinem ebenfalls kostspieligen Pencils fehlt.
Die Ausstattung ist weitestgehend komplett, besonders Speichererweiterung und die Verwendung von bis zu zwei SIM-Karten sind nicht zu verachten. Die Grund-Speicherausstattung mit 256 GB passt ebenfalls und die Geschwindigkeit beim Hineinkopieren von Dateien per Computer ist recht schnell.
Bei einem (Angebots-)Kaufpreis von rund 180 bis 200 Euro kann man hier nicht meckern. Achtet beim Erwerb jedoch darauf, ob der Stift (sofern gewollt) auch mit im Paket enthalten ist.
Preisbewusste Kreative oder “Vielleser” bekommen mit dem ArtPad Pro ein gut ausgestattetes Tablet zum fairen Preis. Hätte der Hersteller auf seine schicke Oberfläche noch ein schönes Malprogramm vorinstalliert, wäre das Paket noch etwas runder. Ansonsten gibt es von mir auch so eine echte Empfehlung.
Disclaimer: dieses Tablet wurde von mir erworben und es gab keinerlei Einfluss des Herstellers auf diesen kleinen Test.
Fotocopyright: hard-boiled-movies.de
Weitere Infos beim Hersteller (externer Link – keine Haftung!):
https://en.teclast.com/Art/ArtPad%20Pro


