Filmbesprechungen

Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße

Inhalt

Die Videothek von Micha steht kurz vor dem Aus, finanziell geht es ihm nicht grade gut. Als ihn dann ausgerechnet noch ein Journalist zu einem Fall von Mauerflucht interviewen möchte, serviert er ihm aus Trotz eine dicke Lügengeschichte – die in abgedruckter Form schon bald zur kleinen Sensation wird und Micha als echten Helden emporhebt…

Fazit

Ob diese Geschichte aus wahren Begebenheiten beruht oder sich zumindest auf echten Ereignissen basiert, kann ich leider nicht beurteilen. Stories um die Flucht aus der ehemaligen DDR gibt so einige – hier steht allerdings eher das Hineinsteigern in Lügen und das entsprechende menschliche Verhalten im Fokus.

Charly Hübner gab den naiven Hochstapler mit Leidenschaft und Glaubwürdigkeit. Man konnte sich gut in seinen Kopf hineindenken und klar nachvollziehen, wie sich die Dinge entwickelten und die Eskalation unabsehbar schien. Der brave Bürger wurde plötzlich enorm aufgebaut und fast schon zur Flucht nach Vorn gezwungen, um nicht alle Beteiligten auffliegen zu lassen.

Die Macher haben diese absurde Wandlung vortrefflich portraitiert und dabei nicht mit kleineren Seitenhieben gespart. Der Humor hielt sich allerdings in Grenzen, weder Brisanz der eigentlich zu Grunde liegenden Hintergrundgeschichte, noch ernste Aussage bezüglich des Verhaltens der Hauptfigur wurden verwässert. Hier ist man wohl überlegt an die Sache gegangen.

Die Inszenierung war solide und auf einem unaufgeregten, aber hochwertigen Niveau – so wie man es von aktuellen Fernsehfilmen beispielsweise auch kennt. Der Cast um Hübner (u.A. Christiane Paul, Daniel Brühl) hat seine Sache hervorragend erledigt und die Chemie aller Beteiligten hat soweit gepasst. Es gab ein paar passende Gastauftritte (Katarina Witt), die sich in ihrer Rolle aber zum Glück nicht allzu ernst nahmen, ebenfalls zu kleinen Schmutzlern animierten.

Für mal eben Zwischendurch geht “Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße” schon in Ordnung. Der Film hält prima bei Laune, lebt von seiner gewohnt tollen Hauptfigur – erfindet aber ansonsten das Rad nicht neu. Man hat alles irgendwo schon einmal gesehen, auch wenn hierbei andere Szenarien zu Grunde lagen. Für Freunde unaufgeregter, feiner Tragi-Komödien also durchaus mal einen Blick wert, aber kein echtes Must-See.

6,5/10

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