Midnight Meat Train
Aufgrund aktueller Sichtung wurde dieses Review aus dem Archiv übernommen und hier sauber formatiert. Möglichweise wurden einige Passagen überarbeitet und die Wertung nach aktuellen Maßstäben noch einmal korrigiert.
Inhalt
Ein junger Fotograf durchstreift in der Nacht seine Stadt auf der Suche nach neuen Motiven. Eher zufällig macht er die Bekanntschaft mit einer jungen Dame, die am folgenden Tag als vermisst gemeldet wird.
Er kehrt wieder zurück zur U-Bahn-Station, an der er die Verschollene zum letzten Mal gesehen hat. Ein seltsamer Kerl erweckt seine Aufmerksamkeit. Der Fotograf verfolgt ihn und hegt schon bald einen fürchterlichen Verdacht: Tagsüber arbeitet der Beschattete als Metzger und in der Nacht meuchelt er möglicherweise unschuldige Menschen in der U-Bahn …
Fazit
Ein Film basierend auf einer Kurzgeschichte von Clive Barker („Hellraiser“) und mit dem Hünen Vinnie Jones cool besetzt – das konnte eigentlich nur interessant sein, und das Ergebnis ist es auch.
„The Midnight Meat Train“ zu beschreiben, ist schwierig. Die Geschichte ist abgedreht, bizarr, unrealistisch, aber irgendwo sehr ansprechend und vor allem spannend umgesetzt. Die Atmosphäre ist überaus stimmig und stellenweise zum Schneiden dicht. Der Zuschauer hält den Atem an und verfolgt die Hauptfigur, als würde man neben ihm stehen und mit ihm durch die Gänge huschen. Natürlich behält man immer noch die absurde Grundidee im Kopf, doch geht das Spannungsprinzip perfekt auf.
Was den Gewaltfaktor betrifft, wurde hier an nichts gespart. Nicht ohne Grund gab es Ärger mit den deutschen Behörden und auf eine Kinoauswertung wurde verzichtet. Prinzipiell bin ich gegen geschnittene Filme, und vermutlich hätte auch hier ein Reizelement gefehlt, sofern man die Schere angesetzt hätte. Die vorliegende Scheibe aus England ist zum Glück ungekürzt und die heftigen Schmankerl sind enthalten.
Die Gewalt wird hier zwar nicht wirklich logisch begründet, doch darf man sich daran nicht stören. Die derben Szenen sind allerdings technisch top und vor allem sehr originell gemacht. Gorehounds kommen voll auf ihre Kosten und lechzen nach mehr. Abgetrennte Köpfe fliegen in coolster Manier umher und die Kamera liefert tolle Bilder dazu.
Ob man nun Vinnie Jones für einen guten Schauspieler hält, ist Geschmackssache. Ich persönlich finde den Typen unglaublich cool, und zumeist fallen seine Rollen auch immer klasse aus. In „The Midnight Meat Train“ kann er mit seiner Schlachterrolle so richtig glänzen und steht auch einigen anderen bekannten Gesichtern aus diversen Fernsehserien gegenüber. Alle machen ihre Sache gut, und auch die Fotografen-Figur samt Freundin kann überzeugen.
Ein Film wie dieser mag spalten. Es gibt so viele Kritikpunkte – von der Story bis vielleicht auch der Wahl der Schauspieler – doch ich bin überzeugt. Mag alles noch so schwachsinnig auf manchen Betrachter wirken, so freut sich hier das Herz des Genrefans. Niemals langweilig und stets nervenaufreibend wurde hier einer der besten Horrorstreifen der letzten Jahre abgeliefert. Wer solche Werke zu schätzen weiß, greift hier unbedingt zu und schiebt die Logik einfach mal beiseite.
8/10
Fotocopyright: NSM Records


