Filmbesprechungen

Nürnberg

Inhalt

Der Zweite Weltkrieg ist vorbei und die Alliierten haben Europa im Griff. Die Festnahme ranghoher deutscher Kommandeure stellt die teils unfreiwilligen Partner jedoch vor eine harte Probe. Man könnte die Gefangenen sofort beseitigen oder einen nie zuvor gekannten Prozess vor den Augen der Weltöffentlichkeit zelebrieren und die Schandtaten an den Pranger stellen…

Fazit

Nicht die erste, aber vielleicht die beste Verfilmung zum Thema. Ich habe schon diverse Streifen über die Ereignisse in Nürnberg gesehen, doch bis dato konnte mich keiner so fesseln wie dieser.

Der Schlüssel zum Erfolg lag an vielen Dingen – angefangen von einer hervorragenden Erzählstruktur, perfekt ausgeloteten emotionalen Momenten und dem großartigen Cast. Hier griffen viele kleine Zahnräder gekonnt ineinander und sorgten trotz bekanntem Ausgang für knappe 2,5 Stunden spannende Unterhaltung auf höchsten Niveau.

Normalerweise stehe ich amerikanischen Produktionen in Bezug auf den Zweiten Weltkrieg etwas skeptisch gegenüber, doch hier war ich mit der Darstellung sämtlicher Figuren und dem Rest absolut fein. Niemand wird hier zum absoluten Helden stilisiert, die Dinge sachlich und wahrscheinlich auch recht genau dargestellt. Man fühlte keinen übertriebenen Pathos und die gefühlvollen Elemente wurden genau richtig platziert und dosiert.

Der Zuschauer wurde mitgenommen, verlor trotz verschiedener Stränge nie den Überblick und erhielt obendrein einen schnellen Abriss zu sämtlichen Charakteren – wobei etwas Vorkenntnis natürlich von Vorteil war. Man konnte gut die Sicht aller hier dargestellten Amerikaner verstehen und warum sie so ehrgeizig für ihre hehren Ziele eintraten. Hierbei fand man zum Glück immer zur richtigen Zeit den Absprung – ehe ihre Reden zu theatralisch wurden.

Russell Crowe brillierte in seiner Rolle als Göring, wobei ihm Körperfülle und vorhandenes Charisma unglaublich zu Gute kamen. Er füllte den Raum wortwörtlich, löste selbst in Uniformen ohne Orden eine gewisse Unruhe bei seinen Gegenübern und dem Zuschauer aus. Rami Malek und Michael Shannon konnten aber ebenso überzeugen und profitierten von der zunächst leicht verschachtelten Erzählweise – die jedem genügend Raum für den eigenen Auftritt gab.

Wer sich nur ansatzweise für Geschichte und insbesondere die Thematik um die “Nürnberger Prozesse” interessiert, sollte hier unbedingt einen Blick riskieren. “Nürnberg” war großartiges Geschichtskino mit fairen Blick auf Charaktere und Ereignisse, hielt sich mit unerwünschtem Pathos angenehm zurück. Brillante Darsteller animierten sich gegenseitig zu Höchstleistungen und trotz leichter Überlänge gab es keinerlei Durchhänger. Ich freue mich auf die Auswertung für das Heimkino und habe dort meinen Sitz für eine weitere Vorführung der Prozesse bereits gedanklich reserviert.

8,5/10

Fotocopyright: Weltkino (Im Vertrieb von LEONINE)

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