Filmbesprechungen

No Other Choice

Inhalt

Viele Jahre lang war Man-soo ein loyaler und pflichtbewusster Mitarbeiter einer Papierfabrik. Doch von heute auf morgen verliert er seinen Job – ein harter Schlag, der nicht nur seine finanzielle Existenz bedroht, sondern auch sein gesamtes Selbstbild erschüttert. Besonders schwer wiegt dabei die Tatsache, dass die hohen Raten für das gemeinsame Traumhaus plötzlich kaum noch zu stemmen sind.

Verzweifelt versucht Man-soo, beruflich wieder Fuß zu fassen. Seine Ausflüge in andere Branchen verlaufen jedoch eher ernüchternd und bringen weder Erfolg noch neue Perspektiven. Also beginnt er schließlich auf seine ganz eigene Weise, den Arbeitsmarkt in seinem bisherigen Fachgebiet zu „erkunden“ – mit Folgen, die zunehmend skurrile und unangenehme Ausmaße annehmen…

Fazit

Regisseur Park Chan-wook ist bekannt dafür, außergewöhnliche und oft unkonventionelle Filme zu erschaffen. Gerade durch Werke wie Parasite waren die Erwartungen an No Other Choice entsprechend hoch. Nach der Sichtung bleibt allerdings ein etwas gemischter Eindruck zurück: Wirklich enttäuschend ist der Film keineswegs, an die Klasse und Wucht von Parasite reicht er jedoch bei weitem nicht heran.

Dabei besitzt der Film durchaus einige starke Momente. Einzelne Szenen sind hervorragend inszeniert, treffen den schwarzen Humor punktgenau und entfalten eine angenehm bissige Gesellschaftskritik. Gleichzeitig leidet die Handlung jedoch unter einem recht gemächlichen Erzähltempo, wodurch sich manche Passagen unnötig in die Länge ziehen. Die grundlegende Richtung der Geschichte wird zudem relativ früh deutlich und überrascht im weiteren Verlauf nur noch selten.

Für eine Laufzeit von knapp zweieinhalb Stunden wirkt der eigentliche Inhalt stellenweise etwas dünn. Dennoch schafft es der Film immer wieder, mit gut gesetzten Dialogen, feinem Humor und starken schauspielerischen Leistungen zu unterhalten. Besonders die Darsteller transportieren selbst in ruhigeren Szenen viel Atmosphäre und verleihen ihren Figuren eine glaubwürdige Mischung aus Tragik und Absurdität.

Etwas mehr Mut hätte man sich allerdings bei den bissigeren oder auch blutigeren Momenten gewünscht. Gerade hier wäre noch deutlich mehr Potenzial vorhanden gewesen, um den schwarzen Humor konsequenter auszureizen und dem Film insgesamt mehr Schärfe zu verleihen.

Technisch gibt es dagegen kaum etwas zu kritisieren. Die hochwertige Inszenierung, interessante Kameraperspektiven und die starke Bildsprache sorgen durchgehend für Kinofeeling auf hohem Niveau. Auch die deutsche Synchronisation überzeugt und trägt ihren Teil zur dichten Atmosphäre bei. Optisch zeigt der Film einmal mehr, warum südkoreanisches Kino international einen so hervorragenden Ruf genießt.

Letztlich bleibt No Other Choice ein sehenswerter, eigenwilliger Film mit einigen wirklich gelungenen Szenen und starken Darstellern. Die ganz große Begeisterung will sich allerdings nicht einstellen, da der Film sein enormes Potenzial nur teilweise ausschöpft. Freunde skurriler, schwarzhumoriger Filme können dennoch bedenkenlos einen Blick riskieren.

7/10

Fotocopyright: Plaion Pictures

Betreiber von hard-boiled-movies.de

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert