Inhalt

Amerika scheint kurz davor das friedliche Land der Welt zu werden. In wenigen Tagen soll ein Signal ausgestrahlt werden, welches in das Hirn dringt und alle kriminellen Gedanken sofort eindämpft. Klar, dass sich in der Bevölkerung Widerstand regt und Verbrecher wie Rick ihre Felle davonschwimmen sehen…

Fazit

Interessante Ausgangslage, halbherzige Umsetzung. Ist „The Last Days of American Crime“ durch einen geschickt inszenierten Auftakt zunächst noch reaktiv spannend, verliert sich das Geschehen schon bald in unnötigen Längen – die wertvolle Punkte auf dem Wertungskonto kosten.

Bei der Aufmachung gibt es rein gar nichts zu Mäkeln. Technisch ist der Film hervorragend in Szene gesetzt und vermittelt mit gar nicht mal so extrem aufwändigen Mitteln eine stimmige Atmosphäre. Auch wenn man nur wenig vom Leben auf der Straße sieht, fühlt man die angespannte Situation in der Bevölkerung und kann sich erstaunlich gut in die Lage des Antihelden hinein versetzten.

Hier und da eine kleine Straffung und das Seherlebnis wäre richtig rund geworden. So setzt man immer wieder auf unnötige Einlagen oder belanglos ausgedehnte Dialoge, die alles in die Länge ziehen und den Verlaufs ins Stocken bringen. Dabei gab man sich nicht einmal tiefgründiger, als die Handlung im ersten Moment weiß machen will. Das Setting blieb erstaunlich simpel und baut seine halbwegs brisante Thematik überhaupt nicht aus. Gesellschaftskritik verpufft man konzentriert sich stattdessen lieber auf eine aufgesetzte Liebesgeschichte – die man so gar nicht nötig gehabt hätte. So gleicht man sich deutlich den üblichen Sehgewohnheiten an und geht erst recht keine eigenen Wege.

An allen Ecken und Enden schmerzt das vergeudete Potential. Natürlich macht „The Last Days of American Crime“ als quasi kostenfreier Inklusivtitel eine recht ordentliche Figur, aber man hätte so viel aus den audiovisuellen Stärken und dem tollen Szenario herausholen können. Nutzte zuletzt Spike Lee seine künstlerische Freiheit, hätte der Regisseur dieses Titels ruhig die Schere zu passenden Momenten einsetzen können. Unterm Strich ein durchaus empfehlenswertes Werk – welches trotz kleinerer Längen und enttäuschender Oberflächlichkeit insgesamt nett bei Laune hielt.

6,5/10

Fotocopyright: Netflix

Weitere Infos: https://www.netflix.com/de/title/80198975