Filmbesprechungen

Die Taschendiebin

Aufgrund aktueller Sichtung wurde dieses Review aus dem Archiv übernommen und hier sauber formatiert. Möglichweise wurden einige Passagen überarbeitet und die Wertung nach aktuellen Maßstäben noch einmal korrigiert.

Inhalt

Im japanisch besetzten Korea der 1930er-Jahre plant der Gauner Fujiwara, die wohlhabende Lady Hideko zu verführen, zu heiraten und anschließend in eine Nervenklinik einweisen zu lassen, um an ihr Vermögen zu gelangen. Zur Umsetzung seines Plans engagiert er die junge Sookee, die sich als Hausmädchen in das Anwesen einschleicht und ihn tatkräftig unterstützt.

Zunächst scheint alles nach Plan zu verlaufen – doch Fujiwara hat nicht mit der wachsenden Zuneigung zwischen den beiden Frauen gerechnet…

Kritik

Park Chan-wook hat mit Filmen wie Oldboy, I’m a Cyborg, But That’s OK und Durst bereits mehrere herausragende Werke geschaffen und sich seinen Ruf als einer der besten asiatischen Regisseure mehr als verdient. The Handmaiden stand bei mir schon lange auf der Liste, doch erst jetzt – mit der hochwertigen deutschen Veröffentlichung – habe ich die Gelegenheit zur Sichtung gefunden.

Eigentlich zählen historische Stoffe nicht unbedingt zu meinen Favoriten, doch Die Taschendiebin zieht einen von der ersten Minute an in seinen Bann. Das Setting überzeugt entgegen aller Erwartungen, und die Geschichte wirkt erstaunlich zeitlos. Themen wie Liebe, Verrat und Rache werden gekonnt miteinander verwoben und in teils sinnlichen, ästhetisch eindrucksvollen Bildern inszeniert, die in einer intensiven Schlusssequenz ihren Höhepunkt finden.

Die Darsteller liefern durchweg starke Leistungen ab und wurden in der deutschen Fassung hervorragend synchronisiert. Es ist angenehm, den Film in dieser Version zu erleben und sich ganz auf die Atmosphäre einzulassen. Die ruhige musikalische Untermalung und die elegante Bildsprache ergänzen sich perfekt und tragen maßgeblich zum stimmigen Gesamtbild bei.

Erneut gelingt es dem Regisseur, einen intensiven und fesselnden Film zu präsentieren. Trotz der vergleichsweise langen Laufzeit bleibt die Spannung erhalten, und der Zuschauer wird mit stilvollen sowie eindrucksvoll inszenierten Momenten belohnt. Auch wenn die Handlung nicht ständig mit überraschenden Wendungen aufwartet, überzeugt sie durch starke Figurenzeichnung und visuelle Klasse.

Die Taschendiebin ist ein atmosphärisch dichter und ästhetisch herausragender Film, der vor allem durch seine Inszenierung und Charaktertiefe besticht. Wer sich auf das ruhige Erzähltempo einlässt, wird mit einem intensiven Kinoerlebnis belohnt. Besonders für Freunde anspruchsvoller und sinnlicher Filme ist dieses Werk eine klare Empfehlung. Die gelungene deutsche Veröffentlichung macht den Zugang zusätzlich leicht.

8/10

Fotocopyright: PLAION PICTURES

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