Filmbesprechungen

Mortal Kombat (1995)

Inhalt

Die Existenz der Erde und der Menschen ist bedroht. Bereits zum neunten Mal haben die fiesen Schergen von Shang Tsung das “Mortal Kombat”-Turnier gewonnen und beim wiederholten Sieg ist der Einmarsch in unsere Welt legitim. Also scharrt Donnergott Raiden die besten Kämpfer unsere Ära zusammen, um dies zu verhindern…

Fazit

Anno 1995 war Regisseur Paul W. S. Anderson schon recht früh in Sachen Adaption von Videospielen dran und hat überraschend gut abgeliefert – auch wenn diese Erkentnis (zumindest bei mir) erst einige Jahre später aufgekommen ist. Seinerzeit war der Titel ähnlich trashig wie “Street Fighter”, hat für mich aus späterer Sicht aber voll den Kern der Sache getroffen und keine unnötige Raketenwissenschaft aus der Umsetzung gemacht.

Anderson hielt sich akribisch an die Vorgaben aus dem Spiel, brachte standesgemäße Abbilder der verrückt designten Kämpferriege auf die Leinwand. Dies fing den Charme der Vorlage ungemein gut ein, auch wenn es damals eher den Eindruck einer “Sammlung um jeden Preis” hatte, sprich: man mehr oder weniger sinnfrei alles vertraute irgendwo zu platzieren versuchte, egal wie prächtig dies am Ende funktionieren mochte. Letztlich war mir dies allerdings lieber, als sich irgendwo anzupassen und am besten noch nach aktuellen Sehgewohnheiten (oder wie Hollywood es uns vorschreibt) in Szene setzen zu wollen.

Wie dem aber auch sei: der erste Aufschlag von Mortal Kombat ist mit der Zeit immer besser geworden und spielt nicht nur mit verklärten Erinnerungen an das seinerzeit noch recht verruchte Spiel oder die erste Sichtung. Man hatte sich irgendwann mit einer soliden und weit vom Perfektionismus gemachten Adaption abgefunden, irgendwann nicht mehr so arg in den Krümeln gesucht. Der Film folgt einem simplen Handlungsprinzip, welche durchaus seiner noch simpleren Vorlage geschuldet war und lieferte trotzdem überraschend unterhaltsam ab.

Nach einer eingängigen Charaktervorführung (von Sonja Blade bis Sub-Zero oder Scorpion) ging es richtig in die Vollen und das Pacing mit hübsch choreografierten Kämpfen und witzigen Dialogen war gelungen. Es wurde nie langweilig, Durchhänger waren nicht zu verzeichnen. Vorwerfen konnte man dem Streifen vielleicht eine gewisse Blutarmut, aber selbst ohne diese prägende Merkmal der Videospiele hat das Ding einwandfrei funktioniert. Allgemein hat man mit seinem bissigen Humor genau den richtigen Nerv getroffen – eine beinharte trockene Herangehensweise wäre dann aufgrund der mangelnden Gewaltspitzen gehörig in die Hose gegangen.

Die Darsteller haben ihre Sache gut gemacht und vor allem entsprachen sie sehr ordentlich ihren digitalen Ebenbildern. Der Wiedererkennungswert aller Figuren war sofort gegeben, auch wenn man sich heimlich einen Van Damme als Johnny Cage gewünscht hätte. Dieser war ja angeblich Inspirationsquelle der Programmierer. Ansonsten fügten sich die handwerklich toll gemachten Gefechte prima in die düsteren Kulissen ein, die mittlerweile doch recht angestaubten CGI-Effekte trübten das Gesamtbild hingegen nicht. Es handelte sich um ein paar veraltete Elemente, das Gesamtkunstwerk (inkl. einem kultigen Goro) wurde davon nicht im Mitleidenschaft gezogen.

Andersons Variante von “Mortal Kombat” war und ist nicht perfekt, doch nach knapp 30 Jahren hat das Ding nichts von seinem schrägem Charme und vor allem nichts von seinem hohen Unterhaltungswert eingebüßt. Mit jeder Sichtung habe ich mehr Spaß an dem Teil und lerne das naive “wir müssen alles aus dem Spiel verwursten” immer mehr zu schätzen. Diese Adaption fühlt sich “ehrlicher” als manch Konkurrent an und versucht auch seine unfreiwillig komischen Seiten gar nicht zu verstecken. Für mich ein echter Kultfilm und überzeugender als seine kürzlich erst wieder gesehene Neuauflage.

7,5/10

Fotocopyright: Warner

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