Resident Evil Requiem (Nintendo Switch 2)
Inhalt
Der Spieler schlüpft abwechselnd die Rollen von FBI-Agentin Grace Ashcroft und Polizist Leon S. Kennedy. Grace soll zunächst ein Hotel untersuchen, in dem vor Jahren ihre Mutter ums Leben kann – und landet dann nach einer Entführung in einer Nervenheilanstalt, wo sie alsbald nicht nur mit Leon die Wege kreuzt…
Gameplay
“Requiem” folgt den klassischen “Resident Evil”-Pfaden und kann sowohl in der Ego-, als auch Third-Person-Perspektive gespielt werden. Es gilt verwinkelte Areale zu erkunden, Gegenstände zu finden und miteinander zu kombinieren, Truhen zum Verstauen zu finden oder Schreibmaschinen zum Speichern zu benutzen.
Erneut schlagen wir uns mit einem knappen Inventar umher und müssen gelegentlich mit unseren Gegenständen jonglieren (sie aufbrauchen oder in Kisten verstauen). Munitionsknappheit gibt es eher zu Beginn, denn mit laufender Spielzeit erlernt unsere Hauptfigur das Herstellen von Patronen und anderen nützlichen Items.
Die Rätsel waren ebenfalls recht serientypisch und hielten nicht länger beim Durchmarsch auf. Hier und da gab es nur passende Zutrittskarten zu suchen, an anderer Stelle ein paar Organe in einen (Un)Toten hinein zu pflanzen oder eine Safe-Kombination zu finden. Alles nicht sonderlich kompliziert – nur eben mit einigen Laufwegen und ein bisschen Geschick bei der Orientierung verbunden.
Während Grace vermehrt Puzzeln und gelegentlich Ballern durfte, waren die Abschnitte mit Leon etwas gradliniger und actionreicher (sogar mit einer Fahr-Einlage). Das Pacing beider Parteien war in Ordnung und dank langer Zwischensequenzen gab es immer genügend Zeit zum zwischenzeitlichen Verschnaufen.
Spielzeit
Nach rund 12 Stunden (einfacher Modus und recht entspannte Erkundung) flackerte der Abspann über den Schirm.
Präsentation
Optisch machte der Titel auf der Switch 2 eine gute Figur. Natürlich schaut diese Version nicht so toll wie die PC oder Playstation 5 Version aus, doch für die kleine Hardware wurde Einiges geboten. Die Figuren waren hübsch, die Kulissen noch einigermaßen detailreich und toll ausgeleuchtet – nur im direkten Vergleich fallen die niedrigere Auflösung und andere Abstriche auf. Einbrüche bei der Framerate gab es jedoch häufig beim Verwenden der Taschenlampe, doch spielbar blieb das Geschehen insgesamt schon.
Die deutsche Vertonung war erstaunlich mittelprächtig und zuweilen auch unfreiwillig komisch. Wo andere den hohen Gruselfaktor des Programmes monierten, kreide ich den Macher der hiesigen Synchro eher den Effekt des Gegenteils an. Während man von bedrohlichen Geräuschen aus dem Off schon leichte Gänsehaut bekam, spielten die Lachmuskeln bei sprechenden Zombies (“Licht an, Licht aus”) stellenweise verrückt.
Positiv
- hübsche audiovisuelle Präsentation auch auf der Switch 2
- gelungene Resident Evil Atmosphäre
- gutes Pacing dank Charakter- bzw. Perspektivenwechsel
- Grace hat gut als neue Figur funktioniert
- ordentliche Spielzeit
Neutral
- mittelprächtige deutsche Vertonung
- Logikprobleme (Herstellung von Gegenständen mit Schrott und Zombieblut?)
- Story insgesamt eher durchschnittlich und austauschbar
- Rätsel überwiegend simpel
Negativ
- Einbrüche bei der Framerate
- manchmal optisch etwas zu dunkel (besonders unterwegs im Handheld-Modus)
- trotz Vergrößerungsmöglichkeit: kleines Inventar (typisch Resident Evil)
Fazit
Die Kritiken waren stellenweise überwältigend und sprachen sogar vom gruseligsten Spiel aller Zeiten. Vielleicht bin ich zu abgestumpft oder nüchtern, aber bei Letzteren kann ich (auch aufgrund der schwachen deutschen Vertonung) nicht ganz zustimmen. Vorherige Teile waren meines Empfindens düsterer oder boten zumindest ein paar Schreckmomente mehr.
Nichtsdestotrotz hat Capcom einmal mehr abgeliefert und einen guten Survival-Horror mit starker Technik und ein paar einprägsamen Momenten serviert. Das gewohnte Gameplay hielt prima bei Laune und Frustmomente hielten sich in Grenzen. Man war um Abwechslung bemüht und lockerte das düstere Geschehen immer mal wieder mit actionreichen Einlagen ab, fand damit einen schönen Konsens aus alten Versatzteilen und modernen Mechaniken.
Im wahrten Wortes Sinne zu düster wurde es mir manchmal im Handheld-Modus, bei dem manchmal kaum etwas zu erkennen war und einige Passagen auf das Zocken am heimischen Schirm warten mussten. Ist aber kein Problem von Capcom, vielmehr dem viel zu dunklen Bildschirm der Switch geschuldet – auf dem man bei geringster Sonneneinstrahlung im Büro während der Mittagspause kaum etwas erkennen konnte. Mit den Sonstigen technischen Abstrichen ließ sich – trotz mancher Bildrate im 1-stelligen Bereich – aber gut leben, da dies nie in kritischen Szenen geschah.
Für mich ist “Requiem” nicht das beste, aber wohl am meist gehypte Resident Evil überhaupt. Es war gut, kommt für mich aber nicht an die ersten beiden alten Original-Teile heran, steht aber auf Augenhöhe mit “Village” und “Code Veronica“, die ebenfalls nicht zu verachten sind. Fans greifen natürlich zu und üben bereits fleißig an Speedruns.
Grafik: 8/10 | Sound: 7/10 | Gameplay: 7/10 | Gesamt: 8/10
Fotocopyright: Capcom


