Filmbesprechungen

Der Medicus 2

Inhalt

Nach einem gewaltsamen Umsturz müssen Rob Cole und seine engsten Weggefährten aus Isfahan fliehen und finden schließlich Zuflucht im fernen London. Dort versuchen sie, eine eigene Medizinpraxis aufzubauen und die fortschrittlichen Erkenntnisse aus dem Orient in Europa zu etablieren. Doch die traditionellen Ärzte und Gelehrten begegnen ihnen mit großem Misstrauen und sehen in der neuen Gilde eher eine Bedrohung als eine Bereicherung. Erst als Rob und seine Kollegen eine dem Königshaus nahestehende Person heilen können, beginnt sich die Stimmung langsam zu ändern – und ihre ungewöhnlichen Methoden gewinnen zunehmend an Anerkennung…

Fazit

Für viele Filmfans zählt der erste „Medicus“ noch immer zu den großen Highlights des deutschen Historienkinos – und auch ich kann die Qualitäten des Vorgängers keineswegs abstreiten. Entsprechend hoch waren natürlich die Erwartungen an die Fortsetzung. Leider gelingt es Philipp Stölzl diesmal nicht ganz, an die Klasse des ersten Teils anzuknüpfen, auch wenn der Film über weite Strecken durchaus sehenswert bleibt.

Erneut überzeugen vor allem die Darsteller, die prachtvolle Ausstattung, die detailreichen Kostüme sowie die eindrucksvollen Schauplätze. Schon nach wenigen Minuten entsteht eine starke Immersion, die den Zuschauer glaubhaft ins 11. Jahrhundert versetzt. Besonders die Mischung aus mittelalterlichem Alltag, medizinischen Experimenten und wissenschaftlicher Neugier sorgt wieder für eine spannende Atmosphäre und macht Lust darauf, tiefer in diese Welt einzutauchen.

Problematisch wird es allerdings im späteren Verlauf der Handlung. Die Autoren scheinen sich ab einem gewissen Punkt etwas in ihren Ideen zu verlieren und treffen einige kreative Entscheidungen, die nicht immer nachvollziehbar wirken. Bereits die Auftritte der Medicus-Gruppe am Königshof wirkten stellenweise etwas befremdlich, doch spätestens mit dem zunehmend abstrakten Versuch, die menschliche Psyche zu erforschen, entfernt sich der Film spürbar von den bodenständigen Ansätzen des Vorgängers.

Dabei sind die entsprechenden Szenen keineswegs schlecht inszeniert – im Gegenteil: Visuell präsentiert sich das Ganze oft beeindruckend, atmosphärisch und stilvoll. Dennoch hätte ich mir gewünscht, dass die Fortsetzung stärker auf jene greifbare Wissenschaft setzt, die bereits den ersten Teil ausgezeichnet hat. Gerade diese vergleichsweise nüchterne und realistische Herangehensweise verlieh dem Original einen besonderen Reiz, der hier leider etwas verloren geht.

Schauspielerisch gibt es hingegen wenig zu beanstanden. Bruce Payne und seine Kollegen liefern solide Leistungen ab und tragen das Geschehen routiniert durch die Handlung. Besonders Aidan Gillen sorgt dabei immer wieder für leichte „Game of Thrones“-Vibes, was hervorragend zum mittelalterlichen Setting passt und dem Film zusätzliche Atmosphäre verleiht.

Letztendlich bleibt „Der Medicus 2“ eine durchaus gelungene Fortsetzung, die Fans des ersten Films sicherlich wieder gut unterhalten wird – auch wenn die ganz großen Erwartungen möglicherweise nicht vollständig erfüllt werden. Über weite Strecken empfand ich den Film als spannend, hochwertig produziert und atmosphärisch dicht, doch gegen Ende entwickelte sich die Geschichte leider nicht ganz in die Richtung, die ich mir erhofft hatte.

7/10

Fotocopyright: LEONINE

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