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Hearts in Atlantis

Aufgrund aktueller Sichtung wurde dieses Review aus dem Archiv übernommen und hier sauber formatiert. Möglichweise wurden einige Passagen überarbeitet und die Wertung nach aktuellen Maßstäben noch einmal korrigiert.

Inhalt

Der Tod eines alten Freundes bringt Robert Garfield zurück in seine frühere Heimatstadt. Schon bald versinkt er in Erinnerungen an seine Jugend und an all das, was er damals mit seiner Clique erlebt hat. Seinen Vater verlor er früh, während seine egoistische Mutter ihn mehr schlecht als recht erzog.

Alles änderte sich ein Stück weit, als der mysteriöse Untermieter Ted Brautigan in ihr Leben trat. Roberts Mutter steht der ungewöhnlichen Freundschaft zunächst kritisch gegenüber, doch Ted wird für den Jungen schnell zu einer wichtigen Bezugsperson. Um sich das Geld für ein eigenes Fahrrad zu verdienen, liest Robert ihm lediglich aus der Zeitung vor und hält dabei Ausschau nach merkwürdigen Männern in der Nachbarschaft.

Ted hatte schon immer etwas Geheimnisvolles an sich, gleichzeitig aber auch eine ungemein liebenswerte Art. Zwischen den beiden entwickelt sich eine enge Freundschaft – bis schließlich der Tag kommt, an dem Ted plötzlich verschwinden muss…

Fazit

Basierend auf einer Geschichte von Stephen King entstand mit Hearts in Atlantis ein eher ruhiger und sensibler Film, mit dem ich bei seiner Veröffentlichung ehrlich gesagt nicht besonders viel anfangen konnte. Danach verschwand die Scheibe erst einmal im Regal. Da ich mich aktuell wieder intensiver mit King beschäftige und neben einem seiner Bücher auch einige bekannte Verfilmungen wie Es, The Stand, Friedhof der Kuscheltiere und Dreamcatcher erneut angesehen habe, war irgendwann auch dieser vermeintliche Klassiker an der Reihe. Und siehe da: Zu meiner eigenen Überraschung gefällt er mir heute deutlich besser. Trotz – oder gerade wegen – seiner besinnlichen Inszenierung funktioniert der Film für mich mittlerweile richtig gut.

Vom Erzählstil her bedient sich Hearts in Atlantis eines typischen King-Schemas. Zunächst lernen wir die erwachsene Hauptfigur kennen, bevor die Handlung mit seiner Reise in die Vergangenheit in dessen Jugendzeit wechselt. Durch die stimmige Farbgestaltung, die Kostüme und die passende Musik wird man schnell in die 60er-Jahre versetzt und findet ebenso schnell Zugang zu den Figuren.

Wie bereits erwähnt, ist Hearts in Atlantis ein ausgesprochen ruhiger Vertreter seiner Zunft und kommt über weite Strecken sogar ohne große Worte aus. Ein hervorragend aufgelegter Anthony Hopkins trifft auf talentierte Jungdarsteller, die allesamt sehr sympathisch agieren. Man schließt die Figuren schnell ins Herz und bekommt tatsächlich das Gefühl, am liebsten selbst Teil dieser kleinen Gemeinschaft zu sein und einfach ein wenig Zeit mit ihnen verbringen zu wollen.

Allerdings wirkt der Film stellenweise auch etwas behäbig. Mit knapp 90 Minuten fällt die Laufzeit jedoch angenehm überschaubar aus. Die Vorlage kenne ich bislang leider noch nicht, allerdings lässt sich gut vorstellen, dass einige Handlungselemente für die Verfilmung deutlich gestrafft wurden. Besonders auffällig ist Roberts bester Freund: Er dient als Auslöser für die Heimreise, wird ordentlich in die Geschichte eingeführt, verschwindet anschließend aber beinahe vollständig aus dem Geschehen. Hier hätte durchaus noch mehr Potenzial gesteckt. Beispielsweise hätte eine stärker ausgearbeitete Dreiecks-Liebesgeschichte dem Ganzen zusätzliche Tiefe verleihen können, ohne zwangsläufig die kompakte Laufzeit oder den Unterhaltungswert zu beeinträchtigen.

Hearts in Atlantis ist trotz seines Verzichts auf klassischen Horror ein unverkennbarer King. Statt Grusel und Schrecken stehen hier Gefühle, Freundschaft, Erwachsenwerden und die Vergänglichkeit der Jugend im Mittelpunkt. Die Geschichte ist fein konstruiert und hervorragend gespielt. Auf den ersten Blick wirkt der Film vielleicht etwas unscheinbar, doch gerade seine ruhige und gefühlvolle Art macht ihn sehenswert.

Bei mir hat es tatsächlich einen zweiten Anlauf gebraucht, um seine Stärken richtig zu erkennen. Heute gefällt mir der Film deutlich besser und gehört für mich zu den ruhigeren, aber dennoch gelungenen King-Verfilmungen.

8/10

Fotocopyright: Warner

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