Lee Cronin’s The Mummy
Inhalt
Ägypten vor acht Jahren: Die Tochter eines amerikanischen Auslandsjournalisten verschwindet spurlos aus dem Garten der Familie und alle Bemühungen der Behörden verlaufen im Sand. Mittlerweile wieder in der Heimat, erhält Vater Charlie Cannon einen erschütternden Anruf. Die Vermisste ist wieder aufgetaucht, zeigt aber seltsame Verhaltensweisen…
Fazit
Auch wenn der Titel zunächst Erinnerungen an die klassischen Abenteuerfilme rund um Brendan Fraser oder die modernisierte Version mit Tom Cruise weckt, schlägt „Lee Cronin’s The Mummy“ eine vollkommen andere Richtung ein. Statt actionreicher Schatzsuche oder klassischem Monsterkino präsentiert Regisseur Lee Cronin – bekannt durch Evil Dead Rise – einen düsteren Horror-Thriller, der deutlich stärker an Werke wie The Exorcist erinnert als an traditionelle Mumienfilme.
Mit knapp über zwei Stunden war die Laufzeit vielleicht einen Hauch zu lang ausgefallen. Der recht gemächliche Spannungsaufbau war zwar nicht schlecht, doch besonders nach Hinten hinaus gab es trotz vermehrter Action ein paar kleinere Längen. Problem hierbei der recht bodenständige Inhalt, der ab einem gewissen Punkt kaum mehr seiner eigentlich extrem spannenden Ausgangslage gerecht wurde. Man fiel in bekannte Muster, holte zu wenig aus dem ansprechenden Material (beispielsweise der ägyptischen Folklore) heraus.
Mythologie wurde bestenfalls angerissen, aber dann irgendwie als Beiwerk abgetan. Es gab vielversprechende Ansätze, die plötzlich nicht mehr weiterverfolgt wurden. Man führte durchaus interessante Personen ein, ließ sie dann aber fallen und nicht mehr zum Zuge kommen. Dies wirkte etwas seltsam, hatte man doch bereits eine Überlänge in Kauf genommen und hätte noch ein bisschen Raum für diese Momente gehabt. Immerhin konnten ein paar krasse Splattereffekte ausnahmslos von sich überzeugen und das Publikum zur richtigen Zeit wachrütteln.
Handwerklich hatte man hier alles gegeben und seine Wirkung nicht verfehlt. Es gab ein paar heftige Momente, die sicherlich damals ausschlaggebend für die Freigabe (zunächst ab 18, dann auf Druck des Studios dennoch ab 16) geführt haben. Die Macher haben nicht an Kreativität gespart, zumindest hier ganzes Herzblut zum Besten gegeben. Gerade hier merkt man deutlich, dass Cronin seine Wurzeln im kompromisslosen Horrorbereich nicht vergessen hat.
Auch visuell hinterlässt der Film einen starken Eindruck. Die Inszenierung bleibt zwar vergleichsweise nüchtern und verzichtet auf übertriebenen Bombast, wirkt dafür aber konstant hochwertig und atmosphärisch dicht. Kameraführung, Lichtsetzung und Sounddesign greifen hervorragend ineinander und sorgen immer wieder für beklemmende Stimmung. Besonders der Ton trägt enorm zur Wirkung vieler Szenen bei und verstärkt die bedrückende Atmosphäre zusätzlich.
Schauspielerisch überraschen vor allem die jüngeren Darsteller, die ihren erfahrenen Kollegen teilweise sogar die Show stehlen. Gerade die emotionalen und körperlich extrem fordernden Szenen werden von ihnen bemerkenswert intensiv gespielt und verleihen dem Horror zusätzliche Glaubwürdigkeit. Dadurch funktionieren selbst die brutalsten Momente nicht nur als reine Schockeffekte, sondern entfalten oft eine unangenehme emotionale Wirkung.
Am Ende ist „Lee Cronin’s The Mummy“ deutlich näher an „Tanz der Teufel“ und „Der Exorzist“ als an klassischen Abenteuerfilmen angesiedelt. Wer auf atmosphärischen Horror, unangenehme Body-Horror-Momente und kompromisslose Splattereffekte steht, wird hier definitiv auf seine Kosten kommen. Fans der alten Mumien-Abenteuer könnten dagegen enttäuscht sein, da der Film bewusst andere Wege geht. Trotz einiger Längen und verschenkter Ansätze bleibt unter dem Strich jedoch ein intensiver, düsterer und über weite Strecken äußerst unterhaltsamer Horrorfilm.
7/10
Fotocopyright: Warner


