Filmbesprechungen

Die Insel

Inhalt

Nach einer verheerenden Katastrophe ist die Erde angeblich weitestgehend unbewohnbar geworden. Die wenigen Überlebenden leben abgeschottet in einer hochmodernen Einrichtung, streng überwacht und nach festen Regeln organisiert. Zu ihnen gehören auch Lincoln Six Echo und seine Freundin Sarah Jordan. Während sie auf die angeblich einzige sichere Zuflucht der Menschheit hoffen, beginnen erste Zweifel an ihrer Umgebung zu wachsen. Schon bald stoßen sie auf eine schockierende Wahrheit und werden mit einer Realität konfrontiert, die ihr gesamtes bisheriges Leben infrage stellt. Um zu überleben, bleibt ihnen schließlich nur die Flucht…

Fazit

Bei seinem damaligen Kinostart konnte mich „Die Insel“ noch nicht vollständig überzeugen. Der große Kniff der Handlung war mir bereits vor der Sichtung bekannt, wodurch ein wichtiger Überraschungseffekt verloren ging. Zudem wirkte die Umsetzung zunächst wie das routinierte Abarbeiten einer typischen Michael-Bay-Checkliste: große Bilder, schnelle Schnitte und spektakuläre Action. Im Laufe der Jahre habe ich den Film allerdings mehrfach erneut gesehen und muss ihm heute einen enormen Unterhaltungswert zugestehen. In gewisser Weise gilt hier tatsächlich das Sprichwort, dass manche Filme mit der Zeit reifen wie ein guter Wein.

Zwar greift die Geschichte mit dem Thema Klonen eine spannende und durchaus brisante Thematik auf und wirft dabei einige interessante moralische Fragen auf, doch bleibt die Auseinandersetzung damit erwartungsgemäß eher an der Oberfläche. Tiefgründige Gesellschaftskritik oder philosophische Betrachtungen sollte man hier nicht erwarten. Letztlich dient das Szenario vor allem als Grundlage für einen actionreichen Blockbuster, und genau in dieser Disziplin weiß Michael Bay einmal mehr zu überzeugen.

Nach einem vergleichsweise ruhigen Auftakt, der sich viel Zeit nimmt, die Ausgangssituation und ihre Figuren vorzustellen, zieht das Tempo spürbar an. Aus dem zunächst fast etwas behäbigen Science-Fiction-Thriller entwickelt sich ein spektakuläres Actionfeuerwerk, das über weite Strecken kaum noch zur Ruhe kommt. Verfolgungsjagden, Explosionen und aufwendig inszenierte Setpieces sorgen dafür, dass kleinere Logiklücken oder Ungereimtheiten schnell in den Hintergrund treten.

Die Handlung selbst ist leicht verständlich und insgesamt schlüssig aufgebaut. Sicherlich werden einige Aspekte stark vereinfacht dargestellt, doch kommt dies dem unkomplizierten Unterhaltungskonzept eher zugute. Die Figuren handeln größtenteils nachvollziehbar, und die Dialoge lockern das Geschehen immer wieder mit einer angenehmen Portion Humor auf, ohne dass der Film dabei in Richtung Komödie abdriftet.

Auch die Besetzung trägt ihren Teil zum Gelingen bei. Die Chemie zwischen Ewan McGregor und Scarlett Johansson funktioniert hervorragend und verleiht dem Geschehen die nötige emotionale Komponente. Darüber hinaus sorgen Nebenrollen von Steve Buscemi, Michael Clarke Duncan und Sean Bean für zusätzliche Qualität. Gerade Sean Bean zeigt einmal mehr, wie viel Präsenz er auch mit begrenzter Leinwandzeit entwickeln kann.

Optisch macht „Die Insel“ selbst heute noch eine ausgezeichnete Figur. Das futuristische Produktionsdesign wirkt hochwertig und durchdacht, während die Effekte erstaunlich gut gealtert sind. Alles wirkt groß, teuer und aufwendig inszeniert – ein typischer Hollywood-Blockbuster aus einer Zeit, in der für solche Produktionen noch enorme Budgets aufgefahren wurden. Gerade diese Mischung aus futuristischer Ästhetik und handgemachter Action verleiht dem Film bis heute seinen besonderen Reiz.

Letztlich mag „Die Insel“ sein spannendes Grundthema nicht bis in die letzte Konsequenz ausloten und wirkt an manchen Stellen etwas oberflächlich. Für mich ist das allerdings keineswegs ein entscheidender Kritikpunkt. Michael Bay gelingt es, eine interessante Science-Fiction-Idee mit seinem Gespür für spektakuläre Unterhaltung zu verbinden und daraus einen kurzweiligen, temporeichen Blockbuster zu formen. Der Film erhebt nie den Anspruch, große philosophische Antworten zu liefern, sondern konzentriert sich darauf, sein Publikum bestens zu unterhalten – und genau das gelingt ihm auch heute noch ausgesprochen gut. Für knapp zwei Stunden bietet „Die Insel“ spannende Unterhaltung, starke Schauwerte und ein Science-Fiction-Szenario, das trotz aller Action genug Eigenständigkeit besitzt, um in Erinnerung zu bleiben.

8/10

Fotocopyright: Warner

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