Ghost Ship
Aufgrund aktueller Sichtung wurde dieses Review aus dem Archiv übernommen und hier sauber formatiert. Möglichweise wurden einige Passagen überarbeitet und die Wertung nach aktuellen Maßstäben noch einmal korrigiert.
Inhalt
Murphy und seine Crew arbeiten als Bergungsteam auf hoher See und sind stets auf der Suche nach lukrativen Aufträgen. Eines Tages erhalten sie einen vielversprechenden Hinweis von einem Piloten, der weit abseits der bekannten Schifffahrtsrouten ein scheinbar verlassenes Schiff entdeckt hat. Das mysteriöse Gefährt reagiert weder auf Funksprüche noch gibt es irgendwelche Anzeichen dafür, dass sich noch Menschen an Bord befinden.
Da sich das Schiff auf internationalem Gewässer befindet und offenbar niemand Anspruch darauf erhebt, winkt den Findern eine potenziell gewaltige Belohnung. Für Murphy und seine Mannschaft steht die Entscheidung daher schnell fest: Sie machen sich auf den Weg, um das rätselhafte Schiff zu untersuchen. Doch schon bald wird klar, dass an Bord weit mehr auf sie wartet als nur ein wertvolles Bergungsgut…
Kritik
Bei seiner Veröffentlichung konnte mich „Ghost Ship“ noch nicht vollständig überzeugen. Über die Jahre hinweg hat sich meine Meinung allerdings spürbar verändert. Mittlerweile gehört der Film zu jenen Vertretern des Genres, die ich immer wieder gerne anschaue. Zwar mangelt es ihm an echter Innovation, doch sein Unterhaltungswert ist auch heute noch ungebrochen.
Die Geschichte selbst und viele ihrer Schockmomente reißen heutzutage sicherlich niemanden mehr vom Hocker. Zu viele Ideen und Handlungselemente hat man in ähnlicher Form bereits in anderen Horrorfilmen gesehen. Auch die meisten Wendungen lassen sich ohne größere Mühe schon früh erahnen. Dennoch gelingt es „Ghost Ship“, aus seinen bekannten Versatzstücken ein überraschend stimmiges Gesamtbild zu formen. Der Film weiß genau, welche Zutaten sein Publikum erwartet, und setzt diese gekonnt ein, ohne sich dabei unnötig zu verkomplizieren.
Vor allem der kurzweilige Erzählfluss trägt erheblich dazu bei, dass kaum Langeweile aufkommt. Die Handlung bewegt sich zügig voran und verliert sich nicht in überflüssigen Nebensträngen. Unterstützt wird dies durch eine sympathische Hauptfigurengruppe, deren Zusammenspiel angenehm funktioniert und die dem Zuschauer genügend Anknüpfungspunkte bietet, um mit ihnen mitzufiebern.
Seine größte Stärke entfaltet der Film jedoch in Sachen Atmosphäre. Bereits die Eröffnungssequenz sorgt für Aufmerksamkeit, doch spätestens mit dem Betreten des titelgebenden Geisterschiffs entwickelt „Ghost Ship“ eine ausgesprochen dichte und stimmungsvolle Horroratmosphäre. Das Zusammenspiel aus peitschenden Wellen, dunklen Gewitterwolken, rostigen Gängen und dem geheimnisvollen, verlassenen Schauplatz erzeugt genau jene Mischung aus Spannung und Unbehagen, die man sich von einem Geisterschiff-Horrorfilm erhofft. Gerade Genre-Fans dürften sich hier schnell heimisch fühlen.
Auch der Härtegrad ist angenehm gewählt. Der Film bietet einige durchaus gelungene Splattereffekte und blutige Momente, verfällt dabei aber nie in exzessive Gewalt um ihrer selbst willen. Aus heutiger Sicht wirken manche Szenen längst nicht mehr so schockierend wie zur damaligen Veröffentlichungszeit und würden vermutlich problemlos mit einer Freigabe ab 16 Jahren durchgehen. Technisch haben einige Effekte zwar sichtbar an Frische eingebüßt, insgesamt macht die Produktion aber noch immer eine gute Figur. Besonders das Design des Schiffs selbst, die Kulissen und einige größere Effektsequenzen wie Explosionen sind nach wie vor ansprechend umgesetzt und tragen maßgeblich zur Atmosphäre bei.
Geschichten über Geisterschiffe, alte Legenden und verfluchte Seefahrten gehören seit Jahrzehnten zum festen Bestandteil des Horror-Genres. Entsprechend wenig Neues hat „Ghost Ship“ inhaltlich zu bieten. Der Film versucht auch gar nicht erst, das Rad neu zu erfinden. Stattdessen konzentriert er sich darauf, bekannte Elemente geschickt miteinander zu kombinieren und daraus einen unterhaltsamen Genrefilm zu formen. Genau dieser Ansatz geht letztlich auf: Die Mischung aus Mystery, Horror, Spannung und einer gelungenen Schauplatzwahl sorgt dafür, dass der Film auch nach mehreren Sichtungen noch bestens funktioniert.
7/10
Fotocopyright: Warner


