Aufgrund aktueller Sichtung wurde dieses Review aus dem Archiv übernommen und hier sauber formatiert. Möglichweise wurden einige Passagen überarbeitet und die Wertung nach aktuellen Maßstäben noch einmal korrigiert.
Inhalt
Der ursprünglich aus der Ukraine stammende Yuri Orlov ist ein raffinierter Geschäftsmann und fühlt sich zu höheren Tätigkeiten als der Arbeit im Restaurant seiner Eltern berufen. Bei seinen ersten, kleineren Waffendeals ist er noch nervös, doch schon bald steigt er zu einem der wichtigsten Waffenhändler der Welt auf.
Seine Geschäfte laufen gut, allerdings driftet er dabei immer weiter in seine eigene Welt ab und distanziert sich zusehends von seiner Familie. Er verheimlicht seinen wahren Job und auch die Beschattung durch die Geheimdienste wird zunehmend erdrückender…
Fazit
„Lord of War“ punktet in erster Linie mit einer ungewöhnlichen Thematik, die größtenteils recht locker und äußerst unterhaltsam umgesetzt wurde. Brisante Inhalte werden geschickt und teilweise herrlich böse aufbereitet, was immer wieder zum Schmunzeln, aber ebenso zum Nachdenken anregt. Nicolas Cage verkörpert den Waffenhändler Yuri mit sichtlicher Hingabe und geht wunderbar in dieser Rolle auf. Sein Aufstieg zum internationalen „Warlord“ ist jederzeit überzeugend gespielt und hält den Zuschauer mit bissigen Kommentaren und schwarzem Humor bei Laune.
Wie bereits erwähnt, ist auch der Erzählfluss überwiegend gelungen. Hin und wieder tun sich kleinere Längen auf, die sich glücklicherweise schnell wieder fangen und den roten Faden nicht abreißen lassen. Die abwechslungsreichen Szenarien machen Spaß und vor allem die ordentliche Ausstattung kann sich sehen lassen. Die Krisengebiete wirken durchaus beklemmend und das aufgefahrene Waffenarsenal ist nicht von schlechten Eltern. Vom Kampfhubschrauber bis zum Panzer ist alles vorhanden – und natürlich wird auch alles irgendwie an den Mann gebracht. Man kann schon fast nicht mehr zählen, wie viele AK-47 ihren Weg in den Streifen gefunden haben, die laut Wikipedia aus Kostengründen sogar größtenteils echt waren.
Es ist vor allem die Nähe zur Realität, die man an diesem Werk schätzt. Man kann sich durchaus vorstellen, wie manche Geschäfte ablaufen und wie sich in den schlimmsten Krisengebieten dieser Welt skrupellos bereichert wird. Die Abläufe sind zwar auf ein recht simples Maß heruntergebrochen, für das Verständnis aber vollkommen ausreichend. Hier wollte man schließlich keine knallharte Dokumentation abliefern, sondern einen eingängigen Spielfilm. Seine Wirkung verfehlt das Gebotene jedenfalls nicht und über kleinere Ungereimtheiten kann man problemlos hinwegsehen.
Technisch bereitet der Streifen bereits zu Beginn Freude. Das Intro gehört für mich zum Coolsten, was man in den letzten Jahren auf dem Bildschirm gesehen hat, und auch danach gibt es einige Schmankerl zu entdecken. Ungewöhnliche Kameraperspektiven werden zuhauf präsentiert, während die verschiedenen Schauplätze in stark unterschiedlichen Farbtönen abgebildet werden. Vom knallig-grellen Afrika bis zu den monotonen und trostlosen Gegenden der russischen Stützpunkte besitzt alles seinen eigenen Stil und damit einen gewissen Wiedererkennungswert. Die Abwechslung ist enorm.
Auch die Nebenfiguren sind kein bloßes Beiwerk, sondern orientieren sich ebenfalls an realen Vorbildern. Ob Ian Holm als skrupelloser Geschäftsmann oder ein völlig durchgeknallter Diktator in Afrika – auf den ersten Blick wirken manche Charaktere vielleicht etwas überzeichnet. So ganz abwegig ist das Ganze allerdings vermutlich gar nicht. Dafür hat der Regisseur offensichtlich zu gut recherchiert und wollte eben keine völlig absurde Komödie abliefern.
Satirische Kritik und lockere Unterhaltung zugleich – „Lord of War“ gelingt dieser Spagat ganz vorzüglich. Der Film unterhält, ohne seine durchaus ernsten Themen völlig zu verschenken, und regt nach dem Abspann sogar noch ein wenig zum Grübeln an. Die Absurdität des internationalen Waffenhandels wird mit schwarzem Humor präsentiert, während gleichzeitig einige ziemlich unbequeme Fragen aufgeworfen werden. Gerade weil vieles mit einem Augenzwinkern serviert wird, wirken manche Seitenhiebe umso bissiger.
Ernsthafte Themen wurden hier angenehm anschaulich verpackt und auch so mancher Regierungsaktivität wird kritisch auf die Finger geschaut. Dabei bleibt „Lord of War“ fast durchgehend unterhaltsam und verzeichnet nur wenige Schwächen. Ein cleverer, schwarzhumoriger und stellenweise erschreckend realistischer Film, der nicht nur gut unterhält, sondern einem nach dem Betrachten durchaus noch ein paar Gedanken mit auf den Weg gibt.
Rundum empfehlenswert – und vielleicht tatsächlich ein gar nicht mal so unwichtiger Beitrag.
7,5/10
Fotocopyright: Capelight Pictures
