Inhalt
Eine talentierte Nachwuchsgeigerin erhält das Angebot, als Musiklehrerin für ein kleines Mädchen in einem luxuriösen Anwesen zu arbeiten. Doch der Job umfasst weit mehr als nur den Musikunterricht. Sie soll bei der wohlhabenden Familie wohnen und gegen eine gute Bezahlung auch zahlreiche Aufgaben im Haushalt übernehmen. Was zunächst nach einer lukrativen Gelegenheit klingt, entwickelt sich jedoch zunehmend zu einer beunruhigenden Angelegenheit. Schon bald bemerkt die junge Frau, dass mit ihrer Schülerin etwas nicht stimmt und hinter der glänzenden Fassade der Familie dunkle Geheimnisse lauern…
Fazit
„Strung“ war endlich mal wieder ein Film, der mich eiskalt erwischt hat – und das ausdrücklich im positiven Sinne. Was zunächst recht unscheinbar beginnt, entwickelt sich nach und nach zu einem ebenso raffinierten wie packenden Psychothriller, der mich bis zum bitteren Ende bei Laune gehalten hat.
Der Spannungsaufbau fällt zunächst langsam aus, erweist sich aber als äußerst effektiv. Dabei gibt es nicht nur optisch einiges zu entdecken, sondern auch zahlreiche kleine Details, die man besser im Hinterkopf behalten sollte. Schnell glaubt man, die Zusammenhänge durchschaut zu haben und den Machern einen Schritt voraus zu sein. Doch genau darin liegt der Reiz des Films: Er spielt geschickt mit unseren Erwartungen, vertrauten Genre-Mustern und den Theorien, die wir uns im Laufe der Handlung zurechtlegen.
Was anfangs noch wie ein gruseliger Genrevertreter in bester Blumhouse-Manier wirkt, erinnert mit seiner Atmosphäre stellenweise an Filme wie „Wir“ oder „Get Out“. Doch „Strung“ entwickelt zunehmend eine eigene Richtung und schlägt im weiteren Verlauf eine überraschende Gangart ein. Gerade gegen Ende überschlagen sich die Ereignisse förmlich, während die verschiedenen Handlungsstränge zu einem schlüssigen Abschluss geführt werden. Das hat mir ausgesprochen gut gefallen, denn hier wird nicht einfach nur mit möglichst vielen Wendungen um sich geworfen, sondern tatsächlich auf eine Auflösung hingearbeitet.
Auch die Darsteller machen ihre Sache durchweg gut und tragen wesentlich zum Gelingen bei. Hinzu kommt eine beinahe schon elegante Inszenierung, die hervorragend mit der kühlen Atmosphäre harmoniert. Die Figuren präsentieren sich stets perfekt gestylt, die luxuriösen Schauplätze wirken wie aus dem Hochglanzkatalog und die Bildgestaltung überzeugt durch starke Farbkontraste, ohne sich in übertriebenen Filtern zu verlieren. Das Ergebnis ist eine visuell ausgesprochen ansprechende Mischung aus Schönheit und unterschwelliger Bedrohung.
Die Handschrift von Tyler Perry, der hier als Produzent beteiligt war, und die Nähe zu bekannten Blumhouse-Produktionen sind durchaus erkennbar. Dennoch entwickelt „Strung“ genügend Eigenständigkeit, um nicht wie ein bloßer Abklatsch bekannter Genrevertreter zu wirken. Die gelungene Optik, die überzeugenden Darsteller und vor allem die clever konstruierte Geschichte ergeben ein stimmiges Gesamtpaket, das mich positiv überrascht hat.
Unterm Strich ist „Strung“ für mich ein Mystery-Thriller erster Güte, der sich Zeit nimmt, seine Geheimnisse zu entfalten, und gerade deshalb umso wirkungsvoller zuschlägt. Wer glaubt, frühzeitig zu wissen, wohin die Reise geht, sollte sich nicht zu sicher sein. Zwar dürfte der Film nach Kenntnis seiner Auflösung bei einer erneuten Sichtung einiges von seiner Wirkung verlieren, doch das schmälert den starken Eindruck beim ersten Mal kaum. Für mich eine rundum gelungene Überraschung, die sich Genrefans keinesfalls entgehen lassen sollten.
8/10
Fotocopyright: Peacock
