Aufgrund aktueller Sichtung wurde dieses Review aus dem Archiv übernommen und hier sauber formatiert. Möglichweise wurden einige Passagen überarbeitet und die Wertung nach aktuellen Maßstäben noch einmal korrigiert.
Inhalt
Der ehemalige Elitesoldat Bob Lee Swagger lebt zurückgezogen in den Bergen, weit entfernt von der Zivilisation. Gemeinsam mit seinem treuen Hund bestreitet er seinen Alltag und hat mit der Regierung längst abgeschlossen. Vor Jahren wurde er bei einem Einsatz tief in Feindesland zurückgelassen. Sein bester Freund kam dabei ums Leben, während Swagger als Einziger den Weg zurück nach Hause schaffte. Seitdem hat er die Schnauze voll vom Dienst für sein Land. Doch ausgerechnet sein ungebrochener Patriotismus soll ihm nun zum Verhängnis werden.
Ein vermeintlich hoch dekorierter Staatsmann sucht den erfahrenen Scharfschützen auf und appelliert an dessen Pflichtbewusstsein. Angeblich plant jemand ein Attentat auf den US-Präsidenten, und nur Swagger sei in der Lage, einen solchen Anschlag zu verhindern. Das Staatsoberhaupt soll durch einen gezielten Distanzschuss getötet werden, und wer könnte besser einschätzen, wie ein solches Attentat ablaufen würde, als einer der besten Scharfschützen des Landes?
Zunächst läuft die Analyse der möglichen Anschlagsorte nach Plan, und die Vereitelung des vermeintlichen Attentats scheint nur noch Formsache zu sein. Doch dann kommt alles anders als erwartet. Swagger gerät in eine perfide Verschwörung und findet sich plötzlich selbst auf der Abschussliste wieder. Von den eigenen Leuten verraten und als Täter gebrandmarkt, muss er nun seine ganze Erfahrung aufbieten, um die Wahrheit ans Licht zu bringen und den Verantwortlichen das Handwerk zu legen…
Fazit
Shooter ist einer jener Filme, die hierzulande meiner Meinung nach zu Unrecht etwas untergegangen sind. Das Teil stand seinerzeit eher unauffällig in der Videothek und schaffte es nicht einmal in die örtlichen Kinos. Wirklich bedauerlich, denn dieser Actionthriller hat einiges zu bieten und gehört für mich zu den besseren Vertretern seines Genres.
Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Vielleicht bei der Geschichte, die zunächst recht simpel klingt und den amerikanischen Patriotismus ordentlich aufleben lässt, letztlich aber mit gelungenen Wendungen und für einen Actionfilm erstaunlich viel Tiefgang überrascht. Natürlich ist nicht alles bis ins letzte Detail logisch, und manche Ereignisse dürften bei genauerer Betrachtung durchaus als ziemlicher Quatsch durchgehen. Dennoch hat mir die teilweise recht deutliche Gesellschaftskritik ausgesprochen gut gefallen. Bei aller Action lässt man sich die eine oder andere bissige Anspielung eben nicht nehmen. Stichwort Öl! Dass dabei auch die politischen Machenschaften und die fragwürdigen Methoden der Mächtigen aufs Korn genommen werden, verleiht dem Ganzen eine zusätzliche Würze. Natürlich steht der Filmspaß jederzeit im Vordergrund, aber ein bisschen mehr als bloßes Geballer bekommt man hier durchaus geboten.
Technisch glänzt das Werk auf ganzer Linie. Egal, ob prachtvolle Landschaftsaufnahmen, spektakuläre Scharfschützeneinsätze oder brachiale Gefechte – die Bilder sind teilweise derart eindrucksvoll eingefangen, dass ich als Filmfan durchaus ins Staunen gerate. Das knackescharfe, seinerzeit geradezu referenzverdächtige Bild der vorliegenden HD-DVD tat sein Übriges zum hervorragenden optischen Eindruck. Auch die abwechslungsreichen Schauplätze und die gelungene Ausstattung können sich sehen lassen. Dazu gesellt sich eine ganze Menge kreativer Ideen, deren Umsetzung größtenteils hervorragend funktioniert. Die Actionsequenzen sind durchweg gelungen, und kaum glaubt man, dass eine weitere Steigerung noch möglich wäre, legt der Film schon wieder eine Schippe drauf. Langeweile kommt dabei zu keiner Zeit auf.
Während Mark Wahlberg im kürzlich gesichteten und von mir eher mäßig befundenen Max Payne nicht wirklich überzeugen konnte, verkörpert er in Shooter genau den Elitesoldaten, den man sich für einen solchen Film wünscht. Natürlich ist Bob Lee Swagger eine ziemlich überzeichnete Figur, die beinahe unverwundbar durch die Gegend marschiert und selbst aus aussichtslosen Situationen irgendwie wieder herauskommt. Seltsamerweise hat mich das hier kaum gestört. Auch die wundersame Heilung des Helden ist nicht unbedingt realistisch, lässt sich aber angesichts des Genres verschmerzen. Schließlich wird zumindest versucht, mit seiner Ausbildung und seinen besonderen Fähigkeiten eine Erklärung dafür zu liefern, dass der Mann deutlich mehr einstecken kann als gewöhnliche Sterbliche. Seine trockenen Sprüche passen ebenfalls wunderbar ins Gesamtbild und sorgen gerade in den brenzligsten Situationen für eine angenehme Prise Sarkasmus.
Danny Glover (Lethal Weapon) überzeugt ebenfalls in seiner fiesen Rolle und bringt die nötige Selbstherrlichkeit mit, um seine Figur glaubwürdig und entsprechend unsympathisch darzustellen. Auch der übrige Cast wurde ordentlich zusammengestellt. Vom jungen FBI-Agenten bis zur weiblichen Nebenrolle sind die Figuren passend besetzt und erfüllen ihren Zweck. Besonders Rhona Mitra ist dabei einmal mehr eine echte Augenweide. Ihre Rolle fällt zwar ziemlich klein aus, vor allem im Vergleich zu ihrem Auftritt in Doomsday, aber immerhin ist sie mit von der Partie. Insgesamt bewegen sich die schauspielerischen Leistungen auf einem Niveau, das für einen solchen Actionthriller absolut in Ordnung geht und den Unterhaltungswert zusätzlich unterstützt.
Auch nach mehrmaligem Anschauen bleibt Shooter für mich ein kleiner Ausnahmetitel, der immer wieder bestens bei Laune hält. Die grundsolide, mit zahlreichen Anspielungen gespickte Geschichte ist zwar nicht immer frei von Ungereimtheiten, doch der Unterhaltungswert steht jederzeit im Vordergrund. Selten wurden Schießereien derart packend und optisch eindrucksvoll in Szene gesetzt, und auch der Tiefgang sowie der bissige Sarkasmus sind in diesem Genre keineswegs selbstverständlich.
Kritiker können dem Film sicherlich einiges vorwerfen. Angefangen beim typisch amerikanischen Patriotismus bis hin zum selbstjustizgeprägten Finale lässt sich durchaus die eine oder andere Schwachstelle finden. Mich stört das allerdings herzlich wenig. Shooter ist erstklassige Unterhaltung in ihrer reinsten Form und obendrein ein optisches Feuerwerk für die Sinne. Knapp zwei Stunden Laufzeit, jede Menge knackige Action, eine ordentliche Verschwörungsgeschichte und praktisch keine nennenswerten Längen – da freut sich der Filmfreund!
8,5/10
Fotocopyright: Paramount Pictures (Universal Pictures)
