Aufgrund aktueller Sichtung wurde dieses Review aus dem Archiv übernommen und hier sauber formatiert. Möglichweise wurden einige Passagen überarbeitet und die Wertung nach aktuellen Maßstäben noch einmal korrigiert.
Inhalt
Ein verurteilter Straftäter sitzt in seiner Zelle und wartet auf seine baldige Hinrichtung. Doch während der Mann auf seinen Tod wartet, geschehen außerhalb der Gefängnismauern weitere Morde, die eine auffällige Ähnlichkeit mit den damaligen Verbrechen aufweisen. Handelt es sich lediglich um einen stupiden Nachahmer, oder wartet am Ende womöglich der falsche Mann auf seine Hinrichtung?
Besonders der Psychologe Dr. Jack Gramm gerät zunehmend unter Druck. Er war seinerzeit maßgeblich an der Verurteilung des vermeintlichen Serienmörders beteiligt und muss sich nun immer lauteren Zweifeln an seiner damaligen Einschätzung stellen. Gramm hält jedoch weiterhin an seiner Theorie fest, obwohl die neuen Verbrechen immer mehr Fragen aufwerfen. Als ihn schließlich ein anonymer Anruf erreicht, in dem ihm mitgeteilt wird, dass er nur noch 88 Minuten zu leben habe, beginnt für ihn ein Wettlauf gegen die Zeit. Er muss herausfinden, wer hinter den Drohungen steckt und ob die damalige Verurteilung tatsächlich auf einem fatalen Irrtum beruhte…
Fazit
Ich bin großer Fan von Al Pacino und kann mir selbst gar nicht recht erklären, warum „88 Minutes“ erst vor ein paar Tagen zum ersten Mal über den heimischen Bildschirm flackerte. Vielleicht lag es daran, dass ich im Vorfeld die ein oder andere negative Kritik vernahm, die mich zunächst etwas abschreckte. Durch eine Zeitschriftenbeilage wandert das Teil nun doch ins Regal, und die erste Sichtung verlief überraschend positiv. Zwar bekommt man hier keinen Thriller geboten, der das Genre neu erfindet, doch für einen unterhaltsamen Filmabend reicht das Gebotene allemal.
Sicherlich ist die Geschichte nicht sonderlich einfallsreich und zuweilen auch etwas unglaubhaft. Trotzdem ist der Spannungsbogen über weite Strecken ordentlich konstruiert. Man kommt schnell in den Storyverlauf hinein, freundet sich recht fix mit den Charakteren an und kann der Handlung unbeschwert folgen. Die Idee, einen Psychologen mit seiner eigenen Vergangenheit zu konfrontieren und ihn gleichzeitig gegen die Zeit kämpfen zu lassen, bietet durchaus Potenzial. Auch wenn nicht jede Wendung vollkommen logisch erscheint, wollte ich wissen, wie sich die Geschichte entwickelt und wer letztlich hinter den Drohungen steckt. Damit erfüllt der Film zumindest eine wichtige Voraussetzung für einen brauchbaren Thriller.
Was die audiovisuelle Technik betrifft, liegt hier alles im grünen Bereich. Die Kamera liefert ordentliche Arbeit ab und der Soundtrack gibt sich angenehm unauffällig. Das Auge wird zwar nicht mit großen Effekten oder spektakulären Bildern verwöhnt, doch sind diese hier auch nicht zwingend notwendig. „88 Minutes“ konzentriert sich ohnehin mehr auf seine Geschichte und die Darsteller als auf technische Spielereien.
Die Hauptarbeit leisten die Darsteller, die insgesamt passabel agieren. Der begnadete Al Pacino hat sicherlich schon bessere Rollen bekommen, mimt den selbstherrlichen und zunehmend unter Druck geratenden Professor aber durchaus ordentlich. Seine gewohnt präsente Art kommt auch hier zum Tragen, selbst wenn das Drehbuch ihm nicht immer das Material liefert, das man sich von einem Darsteller seines Kalibers wünschen würde. Zuweilen wirkt er etwas älter als in manch anderem Werk, doch erfreut sein Anblick als Fan natürlich trotzdem. Der Rest der Besetzung gibt sich ebenfalls bemüht, ohne besonders positiv oder negativ aufzufallen. Nebenrollen wie die von Leelee Sobieski gefallen aber durchaus.
Natürlich ist „88 Minutes“ kein Meisterwerk. Die teilweise hanebüchene Geschichte und einige unglaubwürdige Figuren bieten genügend Ansatzpunkte für Kritik. Manches wirkt arg konstruiert, und aus der interessanten Ausgangssituation hätte man sicherlich noch mehr herausholen können. Auch das Finale ist nicht vollkommen überzeugend, fügt sich im Gesamtkontext aber noch einigermaßen ordentlich ein.
Trotz dieser Schwächen ist das Teil längst nicht so schlecht, wie man aufgrund mancher Kritik vermuten könnte. Immerhin kommt eine gewisse Spannung auf, die Geschichte hält einen bei Laune und die Auflösung möchte man dann doch noch sehen. Für einen echten Überraschungshit reicht es zwar nicht, doch muss schließlich auch nicht jeder Thriller das Rad neu erfinden, um für kurzweilige Unterhaltung zu sorgen.
Unterm Strich ist „88 Minutes“ für mich belanglose, aber durchaus unterhaltsame Kost für zwischendurch. Die Geschichte hat ihre Schwächen und Al Pacino hat man schon deutlich besser erlebt, doch insgesamt wurde ich besser unterhalten, als ich ursprünglich erwartet hatte. Erwartet man aufgrund des prominenten Hauptdarstellers nicht zu viel und kann mit kleineren Ungereimtheiten leben, bekommt man einen ordentlichen Thriller, der zwar keine bleibenden Eindrücke hinterlässt, aber auch nicht enttäuscht. Im Vergleich zu meiner damaligen Sichtung fällt mein Urteil deshalb heute etwas positiver aus.
7/10
Fotocopyright: Studiocanal (PLAION PICTURES)
