Spielebesprechung

Aphelion (PC)

Inhalt

Im Jahre 2060 hat sich die Erde endgültig ihrem Ruin angenähert und die European Space Agency entsendet Astronauten zur Suche nach neuen bewohnbaren Planeten im All. Die beiden Piloten Ariane und Thomas erleiden mit ihrer “Hope 01” eine Brauchlandung und der Spieler muss die zunächst voneinander getrennten Kosmonauten wieder zusammenführen und wundert sich über manche Dinge in dieser Einöde…

Gameplay

Gespielt wird erneut aus der Third-Person-Perspektive. Wie die Handlung bereits vermuten lässt, übernimmt man dabei abwechselnd die Kontrolle über die beiden Piloten Ariane und Thomas, die sich auf einem fremden und gefährlichen Planeten zurechtfinden müssen. Beide Figuren bringen dabei unterschiedliche spielerische Schwerpunkte mit sich, wodurch etwas Abwechslung ins Gameplay kommt.

Während Ariane vor allem die actionreicheren Abschnitte übernimmt, stehen bei ihr häufig Sprung-, Kletter- und Fluchtsequenzen im Mittelpunkt. Thomas hingegen agiert deutlich ruhiger und bedachter. Seine Passagen setzen stärker auf kleinere Rätsel, Erkundung und ein gemächlicheres Vorankommen durch die unwirtliche Umgebung des fremden Planeten. Dieser Wechsel sorgt grundsätzlich für eine angenehme Dynamik und verhindert, dass sich das Spiel zu schnell eintönig anfühlt.

Besonders die actionorientierten Abschnitte mit Ariane erinnern dabei immer wieder an Genregrößen wie “Uncharted” oder “Tomb Raider”. An deren spielerische Qualität reicht Aphelion allerdings nicht heran. Vor allem die Kletterpassagen sorgen immer wieder für Frust, da die Steuerung oftmals zu ungenau reagiert. Sprünge wirken teilweise unpräzise, Richtungsangaben werden nicht immer zuverlässig erkannt und nicht selten endet ein eigentlich simpler Abschnitt mit einem unfreiwilligen Sturz in den Abgrund.

Zusätzlich machen sich einige Schwächen bei der Kollisionsabfrage bemerkbar. So stolpern die Figuren mitunter bereits über kleine Erhebungen oder bleiben an unscheinbaren Objekten hängen, was in manchen Situationen sogar zum Bildschirmtod führen kann. Gleichzeitig überstehen die Charaktere größere, offensichtlich geskriptete Stürze von hohen Felsen völlig unbeschadet, wodurch das Spiel stellenweise unfreiwillig inkonsequent wirkt.

Immer wieder schleichen sich außerdem Stealth-Passagen ins Spielgeschehen ein. Auch diese leiden jedoch unter der bereits erwähnten hakeligen Steuerung. Präzises Agieren fällt dadurch unnötig schwer und Eingaben werden nicht immer sauber umgesetzt. Hinzu kommt eine teilweise wenig nachvollziehbare KI, deren Verhalten nicht selten unlogisch wirkt. Dadurch wird aus eigentlich spannenden Schleichmomenten leider häufiger eine frustrierende Geduldsprobe.

Spielzeit

Nach etwa 8 bis 9 Stunden erreichte das Abenteuer schließlich seinen Abschluss und der Abspann flimmerte über den Bildschirm. Für ein storylastiges Sci-Fi-Abenteuer ist der Umfang damit durchaus solide bemessen, auch wenn sich das Spiel durch einige wiederkehrende Gameplay-Elemente stellenweise etwas künstlich in die Länge gezogen anfühlt.

Präsentation

Audiovisuell hinterlässt Aphelion von Beginn an einen äußerst starken Eindruck. Besonders die beeindruckende Grafik sorgt immer wieder für atmosphärische und visuell eindrucksvolle Momente. Die detailreichen Umgebungen, die stimmungsvolle Beleuchtung und das insgesamt hochwertige Art Design tragen maßgeblich dazu bei, die dichte Sci-Fi-Atmosphäre glaubwürdig einzufangen. Allerdings wird der sehr gute Gesamteindruck durch einige kleinere technische Schwächen etwas geschmälert. Gelegentlich bleibt die Spielfigur an kleinen Objekten hängen, manche Animationen von Ariane und Thomas wirken noch etwas unausgereift und in dunkleren Szenen fällt hin und wieder störendes Kantenflimmern auf. Hier hätte dem Spiel ein zusätzlicher Feinschliff sichtlich gutgetan – auch wenn bereits jetzt klar erkennbar ist, wie viel Mühe und Qualität in die visuelle Präsentation investiert wurden.

Auch akustisch weiß Aphelion zu überzeugen. Die ausschließlich englische Vertonung ist gelungen und transportiert die Stimmung der Handlung glaubwürdig und emotional. Der Soundtrack hält sich die meiste Zeit angenehm im Hintergrund, wodurch Funksprüche, Dialoge und Selbstgespräche genügend Raum zur Entfaltung erhalten und die Atmosphäre zusätzlich verstärken. In den entscheidenden Momenten zieht die musikalische Untermalung jedoch spürbar an und unterstützt das Geschehen mit passenden, treibenden Klängen, ohne dabei jemals aufdringlich zu wirken.

Positiv

  • atmosphärisches und ansprechend inszeniertes Setting
  • eingängiges Spielprinzip mit gelungenem Einstieg
  • spannende, motivierende Story
  • starke audiovisuelle Präsentation trotz technischer Schwächen

Neutral

  • eher kompakte Spielzeit
  • begrenzte Interaktionsmöglichkeiten
  • Finale fällt im Vergleich zum restlichen Spannungsaufbau etwas unspektakulär aus

Negativ

  • teilweise hakelige Steuerung
  • frustrierende Trial-&-Error-Passagen
  • stellenweise unfair gesetzte Rücksetzpunkte
  • störende Stealth-Abschnitte
  • auf Dauer spürbar repetitives Gameplay

Fazit

An das Entwicklerstudio Don’t Nod waren die Erwartungen im Vorfeld durchaus hoch – nicht zuletzt aufgrund der beeindruckenden ersten Eindrücke, die Aphelion mit seinen atmosphärischen Bildern hinterließ. Umso bedauerlicher ist es, dass der positive Ersteindruck im Laufe des Spiels zunehmend durch spielerische Schwächen getrübt wird. Vor allem die schwammige Steuerung, teilweise merkwürdig wirkende Charakteranimationen sowie diverse kleinere technische Hakeleien fallen schnell negativ auf und verhindern, dass das Abenteuer sein eigentliches Potenzial voll entfalten kann.

Besonders enttäuschend ist dabei, dass viele der grundlegenden Spielmechaniken nie wirklich sauber ineinandergreifen. Zahlreiche Abläufe wiederholen sich zudem recht schnell, wodurch das Gameplay zunehmend an Spannung verliert. Gerade die auf „spektakulär“ inszenierten Action- und Kletterpassagen wirken häufig eher wie ein Hindernis als wie eine echte Bereicherung des Spielerlebnisses.

Dabei liegen die größten Stärken von Aphelion eindeutig in seiner Atmosphäre, den Figuren und dem erzählerischen Ansatz. Genau hier hätte der Fokus deutlich stärker liegen sollen. Statt krampfhaft auf große Actionsequenzen zu setzen, hätte dem Spiel ein entschleunigterer Ansatz vermutlich wesentlich besser gestanden – etwa in Form eines ruhigeren, stärker storyorientierten Adventures oder sogar eines klassischen Walking-Simulators. Spiele wie Life Is Strange haben bereits gezeigt, wie gut Don’t Nod emotionale Geschichten und glaubwürdige Charaktere erzählen kann.

So bleibt Aphelion am Ende zwar kein schlechtes Spiel, insgesamt jedoch eher eine enttäuschende Erfahrung mit vielen guten Ansätzen, die ihr vorhandenes Potenzial leider nie vollständig ausschöpfen kann.

Grafik: 8,5/10 | Sound: 7/10 | Gameplay: 5/10 | Gesamt: 6/10

Fotocopyright: Dontnod

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